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Schicksal verhält sich zu Mensch |
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| Destiny is to Humanity, as Time to Infinity. Program’d is one Primate, into Divinity to Mutate. |
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JKS Makokha, „Halves of Truth“
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Schicksal verhält sich zu Mensch |
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| Destiny is to Humanity, as Time to Infinity. Program’d is one Primate, into Divinity to Mutate. |
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JKS Makokha, „Halves of Truth“
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Vergangenen Dienstagvormittag folgende Email zusammengeschustert und an die Redaktionen der führenden Nachrichtenblätter der Republik versandt:
Sehr geehrte Damen und Herren,
ausgesprochenen Dank für das ausführliche Dossier zur kommenden Bundestagswahl, das Sie unter [entsprechendes Online-Dossier bitte hier einfügen] führen. Vielleicht erlauben Sie mir ein zwei kritische Nachfragen; es würde mich sehr freuen, wenn Sie sie nicht als pauschale Kritik an Ihrer Arbeit werteten, sondern als auf Differenzierung angelegte Grundsatzfragen verstehen.
Der eindeutige Schwerpunkt Ihrer Berichterstattung – und ich sollte zu Ihrer „Entlastung“ vielleicht hinzufügen: nicht nur Ihrer, sondern auch der anderer Redaktionen – liegt bei den im Bundestag vertretenen Parteien. Von den 29 zur Bundestagswahl zugelassenen Wahlvorschlägen berichten Sie lediglich über fünf ausführlich.
- Wie begründen Sie diese Konzentration?
- Müßte es nicht selbstverständlich sein, über alle zur Wahl zugelassenen Parteien ausgewogen und ausreichend zu berichten? Stimmen Sie zu, dass man von einer Selektion, zumindest aber von einer Bevorzugung der etablierten Parteien sprechen muss?
- Welche Ursachen hat diese deutliche Unausgewogenheit?
Mit bestem Dank im Voraus freut sich auf Ihre Antworten _ Lyam Ortmeier
Acht Emails: FAZ, TAZ, SZ, ZEIT, FR, Tagesspiegel, Neues Deutschland, Welt plus die Springerpresse (BILD, Berliner Morgenpost) über Online-Kontaktmasken. Die eigenen Gedanken beim Versand: Klingt kleinkariert, irgendwie bieder. Spießig. Nach übertriebener politischer Korrektheit.
Inspiriert (und für teilweise Formulierungen hergehalten) hat eine wütende Erklärung Herrn Schumachers – Das Kanzlerduell – Eine demokratische Katastrophe:
Die BürgerInnen wählen den, dem sie vertrauen, und sie vertrauen nur dem, den sie kennen. Wie sollen sie aber all die anderen Parteien kennenlernen, wenn ihr Blickfeld immer wieder mit Scheuklappen eingeschränkt wird? Ja, jeder Bürger sollte es als moralische Pflicht empfinden, sich selbst zu informieren, Programme zu lesen und das Internet zu durchforsten. Aber diese moralische Bürgerpflicht entbindet nicht die Fernsehanstalten von ihrem Auftrag zu fairer und neutraler Berichterstattung!
Paralleles gilt natürlich! für die Presse; muss man das ausführlich betonen? Vielleicht ja doch: Ich habe bis jetzt noch keine einzige Antwort erhalten. Natürlich?
Wow. Wie wenig die Menschen mit einer vermeintlich einfachen Frage wie der, was man im Leben zu erreichen hofft, umzugehen wissen. (Und wie oft man sich wohl banale Kommentierungen wie diese daraufhin sparen sollte …) Wäre ich wach, ansprechbar und guter Dinge, würde ich vermutlich Friedensnobelpreisträger werden wollen. So oder ähnlich.
Das Zentrum für politische Schönheit, Initiator nicht nur dieser kleinen Umfrage, sondern auch freundlicher Aktionen wie der Ebay-Versteigerung Angela Merkels und Frank-Walter Steinmeiers oder der Verlesung des Stadler-Gedichts „An die Schönheit“ vor dem Berliner Reichstag – eine Aktion, die für die Beteiligten eine Vorladung vor das LKA zur Folge hatte -, fragt auch gern folgendes: „Stellen Sie sich einen Politiker vor, der in diesem Land etwas unfassbar Schönes tut: Was wäre das?“ Beim Teutates: Ich bin inzwischen so zynisch, ich habe nicht den blassesten Schimmer. [Nachtrag, 11.09.09: Wie wär's mit einer persönlichen Entschuldigung unseres Kanzlerkandidaten Steinmeiers bei Herrn Murat Kurnaz? Sie steht ja schon länger aus.] In mir macht sich helle Vorfreude auf den 27. dieses Monats breit …

Wenn’s nach Matthias ginge, müsste ich mir jetzt ernsthafte Gedanken machen. Muss ich mir ja eigentlich sowieso, weil ja auch …
Sie sind gewunden, und einigermaßen schmal,
die Pfade, die unsere Abendgedanken nachziehen
wenn wir, die Arbeit hinter uns,
die tägliche Last weltlichen Geschehens
ablegen, irgendwie.
Wenn sich, in abendlicher Begleitung so vieler Fremder, Großstadtpendler,
so viele Momente ergeben,
in denen Du und ich
uns
im Alleingang auf
entlang diese Fußwege des Denkens begeben
im Beisein unserer Selbst,
im Rückzug: Weg von den Großstadtbürgersteigen,
wo sich Mann, Maschine, Frau Luft machen
während jede jeder auf Zeh oder Reifen jeder, jedes tritt
entziehen wir uns jedem Zugriff jede Minute
in der wir das Labyrinth unserer streunenden Gedanken
absuchen nach uns als Begleitung
und einem Maß sonnenuntergangsgetränkter Ruhe.
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JKS Makokha, „The Footpaths of Thought“, von mir aus dem Englischen übertragen.
Ernst Bloch, darf ich im Nachtrag feststellen, sah die Sache mit dem Warten ähnlich – auch wenn er entschieden erfindungsreicher vom „bewegten Bleiben“ sprach. Eben dieses „gehört [... nämlich] zu jenen Rückblicken seiner selbst, jenem Nachsinnen zeitlich ausbohrender Art, das unter das ihm Gewordene greift, um es nochmals werden zu lassen.“*
Wie wa(h)r es ist.
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* Ernst Bloch, „Das bohrende Grübeln“, in: Tübinger Einleitung in die Philosophie I. Frankfurt (Main): Suhrkamp, 5. Auflage 1967, S. 58.
Warten, könnte man etymologisch an den Haaren herbeiziehen, heißt: sein. Weil es ein Anhalten, ein Innehalten ist; ein Fenster, wenn man so wollte, durch das man ein Vorhin, ein ‘gerade eben’, ein ‘[es] war’, in die Gegenwart herüberreicht. Zu Langsamkeit und Geduld gesellt sich dann allmählich eine Ruhe, dank der eine Sache, ein Umstand, auf eine andere Art und Weise ‘war ist’, ‘war wird’ – ja auch: ‘wahr ist’.
Bei der Durchsicht einer meiner alten Kladden las ich vorhin ein handschriftlich notiertes Zitat; woher der Impuls rührt, es hier zu bringen, ist mir nicht ganz klar. Vielleicht ist es seine seltsame Aktualität im Verweis auf die deutsche Wirtschaft und die bevorstehende Bundestagswahl:
[…] weder engagieren sich [… wirtschaftliche] Spitzenkräfte politisch, noch stellen sie sich dem gesellschaftlichen Diskurs. Viel zu sehr ziehen sich die Wirtschaftsvertreter in ihre Firmenwelt zurück und begründen dies einerseits mit einer abschreckenden Inkompetenz der Politik, andererseits mit der Notwendigkeit, zuerst für Kunden und Mitarbeiter dasein zu müssen. […] Die Schwergewichte der Konzerne, aber auch die Mittelständler, müssen den Dialog mit der Öffentlichkeit suchen […] Die Verantwortung der Wirtschaft ist umso größer, je unbeweglicher die Politik wird.
Das schrieb Marco Beise vor gut anderthalb Jahren in der SZ („Das Volk und die Firmen“, 17./18. November 2007, S. 25). Mir fällt darauf nicht viel mehr ein als die wirklich banale, mit trauriger Resignation geblökte Frage, warum sich, solchen rückendeckenden Worten zum Trotz, verdammt nochmal „nichts ändert“. Warum nicht diejenigen, die unmittelbar in der Verantwortung stehen, verdammt nochmal „was ändern“. Mitten in einer nach wie vor unbemessbaren Wirtschaftskrise spielen die etablierten Parteien Wahlkampf, als gälte es nur, den einen kleinen Schlag, den ein paar halbstarke Rüpel dem Gesellschaftskarussell mitgegeben haben, auszubessern.
Worauf ich wiederum nur einen weiteren leeren, verzweifelten Satz anfügen kann: Ich will dieses Stillstandsgekreisel nicht länger ertragen.
Wirklich nicht.