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Kategoriearchive: Wissenschaftstheorie

warten II

Ernst Bloch, darf ich im Nachtrag feststellen, sah die Sache mit dem Warten ähnlich – auch wenn er entschieden erfindungsreicher vom „bewegten Bleiben“ sprach. Eben dieses „gehört [... nämlich] zu jenen Rückblicken seiner selbst, jenem Nachsinnen zeitlich ausbohrender Art, das unter das ihm Gewordene greift, um es nochmals werden zu lassen.“*
Wie wa(h)r es ist.

* Ernst [...]

warten

Warten, könnte man etymologisch an den Haaren herbeiziehen, heißt: sein. Weil es ein Anhalten, ein Innehalten ist; ein Fenster, wenn man so wollte, durch das man ein Vorhin, ein ‘gerade eben’, ein ‘[es] war’, in die Gegenwart herüberreicht. Zu Langsamkeit und Geduld gesellt sich dann allmählich eine Ruhe, dank der eine Sache, ein Umstand, auf [...]

Kalter Sprung, ins Wasser

Erst neulich ist mir klar geworden, wie sehr mich das konkrete „ethische Denken“, dem ich hier auf alt_everything ja immer wieder auf die Schliche zu kommen versuche, dann doch wurmt und stört, wie es mich einschränkt: Es ist einfach viel zu verkürzt angelegt, zu dyadisch, zu dialektisch: Es dreht sich nämlich ununterbrochen um mich und [...]

nix nachhaltig

„Wir haben die Welt nicht von unseren Eltern geerbt, sondern nur von unseren Kindern geliehen“, hat man mal gesagt. Heute geht es uns, für uns, um „Nachhaltigkeit“, und wir zitieren anstelle eines „alten indianischen Sprichworts“ regionale Positionspapiere, den Fortschrittsbericht 2008 zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie oder die EU-Strategie für Nachhaltige Entwicklung, allesamt Entwürfe weitsichtiger, vorausschauender, verträglicher Haushaltsnutzung. [...]

Aufgrund schlechten Signals (Falsche Frequenz)

Die mangelnde Reichweite, die ‚akademischer Kurzwelle’, wenn man sie so nennen wollte, und die aus ihr sich ergebende ‚Unsichtbarkeit’ oder ‚Überhörbarkeit’ gesellschaftspolitisch und ethisch engagierter Geisteswissenschaft gibt mir ja schon länger zu rätseln. Insbesondere sobald man die Außenwirkung akademischer Arbeit öffentlich, d.h. universitätsintern oder auf Konferenzen in Frage stellt, berührt man offenbar eine Blindstelle, ein [...]

einfach gemacht

Wie handhabt man eigentlich eine Theorie wie die Stadien wirtschaftlichen Wachstums Walt Whitman Rostows (1960), deren Gehalt sich im Wesentlichen darauf beschränkt, alle globalwirtschaftliche Entwicklung auf ein übersichtliches Fünf-Stufen-Modell herunterzubrechen? Die Kernpunkte, stenographisch:

Die traditionelle (= vornewtonsche) Gesellschaft ist durch „eine Obergrenze in der erreichbaren Produktion pro Kopf“ gebunden, da das Wertesystem „durch etwas, was man [...]

Mythos Unabhängigkeit

Mir ist kürzlich ein Text in die Hände gefallen, der mich an eine alte Diskussion über das doch so schwarze schwarze Afrika erinnert hat. Stein des Anstoßes war für mich damals unter anderem ein Satz Lester Thurows, den er in Die Zukunft der Weltwirtschaft [Frankfurt (Main): Campus, 2004] äußert: „Afrika ist ein am falschen geografischen [...]

Kulturwissenschaften & Kritische Masse

Ich beschränke mich mal auf die Kulturwissenschaften: Man orientiert sich als (angehender) Akademiker an keinem Konzept dessen, was man gemeinhin „Öffentlichkeit“ nennt. Die Frage stellt sich einfach nicht: Ganz vage glauben viele, die sich da seit dem Poststrukturalismus mit ihrer politisierten Lehre etabliert haben, an „Zivilgesellschaft“ oder den „öffentlichen Raum“, als ob es selbstverständlich sei, [...]

w.i.p.

Aufregend, aufregend, wenn man einem ‘Call for Papers’ – nee, in meinem Fall wohl eher einem ‘call for work in progress’ – zum ersten Mal folgt. Nachstehende Absätze sind jedenfalls heute Abend dort eingegangen. Aber ganz unabhängig davon, wie die Rückmeldung ausfällt [Nachtrag 9. April: positiv!], hab’ ich nun immerhin in knapp 300 Worten zumindest [...]

Widerstand: geistige Rebellion

Wo setzen „Selbstbehauptung und Widerstand“* im Konzentrationslager an? Sicherlich doch nicht erst bei der „‘Bemühung[...] um eine organisierte Gegenwirkung gegen die Vernichtungstendenzen der SS’“?
Auch wenn sich Hermann Langbeins Definition durchgesetzt haben mag, zweifele ich an der Einschränkung, mit der sich alle „Gegenwirkung“ erst durch ihre Organisation qualifiziert. Nicht, dass ich koordinierten Widerstand damit kleinreden, gar [...]