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Probier’s mal mit … Gemütlichkeit

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gegen, nicht mit

Von wegen „Konkurrenz“. Konkurrenz ist kein „Mitlaufen“, sondern ein „Gegenlaufen“. Diese stumpfen Schönungen wie die Rede von „Mitbewerbern“ oder „Wettbewerbsbegleitern“. Dem ökonomisch Denkenden fehlt der Respekt vor seinem Gegenüber, wiederhole ich mich: Achtung gewährt er nur, weil sie als Vorsicht dem Selbstschutz, der Rücksichtnahme auf sich selbst dient. Was zählt, und viele so offensichtlich auszehrt, ist das ständige sich Durchsetzen, das unaufhaltsame Verdrängen des Anderen, das Bewerben seiner Selbst – dieses bedingungslose, bindungslose Mitläufertum, diese alles Soziale zersetzende Antikurrenz.

Alle Biedermeier, oder was?

Natürlich irgendwie nicht. Tatsächlich wird hier – und das „hier“ beschränke ich um Gottes Willen nicht auf diesen Blogosphärenquatsch – nur kommentiert. Allenorts redest du, öfter fällt auch ein wirklich gehaltvolles Wort; du greifst „Dinge“ auf, sprichst sie an, nennst sie beim Namen. Du übst Kritik, übst dich an Kritik, bildest Meinungen, und liest siehst hörst, dass gelegentlich eine E-Petition sogar der Tagesschau eine Meldung wert ist. Und trotzdem bleibt der ganze Kiki – deine gebildeten Meinungen, deine Kritik, dein ganzes Unbehagen gegenüber aktuellen Entwicklungstendenzen – einfach nur konsequenzlos. So pseudo. Banal.

„[U]nser Wissen bleibt so folgenlos wie [... Michael Moores] Filme“, liest man da in der F.A.Z., und merkt recht schnell, dass die Feuilletonistin eine offensichtliche Aporie nur für ihren Frust über Michael Moore hält: Nicht Moores Filme sind folgenlos – jede Kritik, jedes Ausmalen von Alternativen – nenn es „Widerstand“, wenn Du Dir darauf was einbilden willst! – ist zwecklos. Egal wer formal gesehen regiert, Schwarz-Gelb, die Tories, die Republikaner kommen dabei rum. Was hast du in den vergangenen Monaten nicht gehört über Neudefinitionen der Marktwirtschaft, was wurde nicht alles geredet von überfälligen Regulierungen des Liberalismus. Und jetzt doch, so hinter der Hand, versteckte Trendwende. Die Show verdrängt mal wieder alle politische Entschlossenheit.

Aber selbst das durchschaust du ja inzwischen. Nur, dass „zugegen sein“ nicht selbstverständlich schon „dagegen sein“ bedeutet, und letzteres wiederum wenig mit „dagegen tun“ gemein hat, leuchtet dir noch nicht ganz ein. Weil auf die Straße gehen tut man ja heute nicht mehr, so in Zeiten zunehmender One-Klick-Politik. Was kann man denn schon mehr machen als die Arbeit von Frau Merkel über facebook oder so kommentieren? Verläuft sich doch eh im Sand.

Hatten wir schon mal, diesen Rückzug ins Private. Nannte sich Biedermeier. Ich sag einfach Feigling zu dir.

macht ja nix

Es ist ja so: Wenn man ALDI oder PENNY oder das KaDeWe blöd findet, weil die Arbeitsbedingungen oder die Preise oder beide nicht stimmen, aber trotzdem da einkaufen geht, nennt man das „ironic consumption“ – ironisches Verbraucherverhalten. So weit, so gut. Wenn man nun mit dem Zustand der eigenen Demokratie unzufrieden ist, aber nur bloggt, Zeitung liest, ins Kabarett und natürlich auch zur Wahl geht, müsste man jetzt in Analogie wohl von ironisiertem Bürgerverhalten sprechen – und nicht von kritischem Bürgerengagement.

Aber so denkt man ja nicht von sich selbst.

closing time

Irgendwie ist die Luft raus. Die Motivation aufgefressen. Der Bock macht Winterschlaf. Seit der Bundestagswahl, den anschließenden Koalitionsverhandlungen und der Regierungsbildung hab’ ich nicht mal im Ansatz wirkliche Lust, Bestandsaufnahmen, Vermutungen auszuformulieren, überhaupt: mich größeren Überlegungen hinzugeben.

Ich bin also mal nach nebenan: den Blick verschieben. Die Welt mal mit anderen Augen sehen lernen.

closed

ausgezahlt

Ha! – waren das Berufsorientierungspraktikum beim Industriefotografen mit Sechzehn und ein Fast-Volontariat doch nicht ganz umsonst. Aufgrund jüngerer Inhaltsverschiebungen hätte man es unter Umständen erahnen können: blendwerk ‘flickr’t. [Der Blogozentriker vermutet nicht ganz zu unrecht, dass dahinter eine Post-Wahldepression steht ... aber dazu mehr bei baldiger Gelegenheit.]

Ihre Verbindung wird gehalten.

heavy skies

Update: Zis is Dschörmani hier …

Der kurze Ausschnitt aus seiner jüngsten Pressekonferenz macht bereits die große Runde. „Es ist Deutschland hier …“ – und das bedeutet: Mit der feinen englischen Art ist Herr Westerwelle noch nicht ganz vertraut.

Die Welt verteidigt Westerwelles abweisende Worte mit dem blassen Hinweis darauf, er habe sich lediglich an diplomatischen Gepflogenheiten orientiert und auf sein Hausrecht bestanden, Rede und Antwort in seiner Muttersprache zu stehen. That’s eindeutig besides the point, denke ich: Der Ton macht [zwar auch] die Musik. Die [eigentliche] Brüskierung [Update 30.09.] besteht darin, dem britischen Journalisten noch nicht einmal einräumen zu wollen, auf Englisch zu Wort kommen zu dürfen. What a Geste … aber erfahren die Bundesbürger – indem sie aller Wahrscheinlichkeit nach bezeugen dürfen, wie sich einmal mehr ein Politiker eines Ministeramts annimmt, für das er sich nie qualifiziert hat. Westerwelle ist seinem Profil nach ein Kandidat für das Amt Schäubles.

Daraus ergibt sich neben anderen auch die Frage, ob man in Belangen der Ämterbekleidung zukünftig breitere Mitsprache verlangt? Oder muss man Parteien und Koalitionspartnern tatsächlich diesen Freiraum gewähren?

[Update 01.10.09: Nochmals ein Nachtrag: Die Süddeutsche Zeitung über das "Vertrauen in die Hinterzimmer": "Die deutsche Art der politischen Blankovollmacht läuft auf eine Demokratie fast schon blinder Vertrauensseligkeit hinaus" (Link).]

Update: Ihre Meinung, bitte!

Merkzettel an mich: Mit rhetorischen Verfremdungseffekten in Zukunft vorsichtiger umgehen. Denn das Ressort Politik der Zeit interpretiert meine kürzliche Nachfrage – offenbar in Folge überlanger Kommunikationswege – inzwischen nicht mehr als Leseranfrage, sondern als zwielichtige „Umfrage“.

Sehr geehrter Herr Ortmeier,

es tut mir leid, dass Sie von Herrn Ulrich noch keine Antwort erhalten
hatten. Leider hat er für eine Teilnahme an Umfragen keine Zeit.

Mit der Bitte um Verständnis und freundlichen Grüßen

Frauke Ahlborn
- Sekretärin Ressort Politik -

DIE ZEIT
Buceriusstraße
Eingang Speersort 1
20095 Hamburg

Tel. 040/32-80-278
Fax 040/32-80-505
E-mail: frauke.ahlborn@zeit.de

Ich wär’ so gerne Revolutionär …

… dann wär’ mein Hörsaal niemals leer.