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Fußwege des Denkens

Sie sind gewunden, und einigermaßen schmal,
die Pfade, die unsere Abendgedanken nachziehen
wenn wir, die Arbeit hinter uns,
die tägliche Last weltlichen Geschehens
ablegen, irgendwie.

Wenn sich, in abendlicher Begleitung so vieler Fremder, Großstadtpendler,
so viele Momente ergeben,
in denen Du und ich
uns
im Alleingang auf
entlang diese Fußwege des Denkens begeben
im Beisein unserer Selbst,

im Rückzug: Weg von den Großstadtbürgersteigen,
wo sich Mann, Maschine, Frau Luft machen
während jede jeder auf Zeh oder Reifen jeder, jedes tritt
entziehen wir uns jedem Zugriff jede Minute
in der wir das Labyrinth unserer streunenden Gedanken
absuchen nach uns als Begleitung
und einem Maß sonnenuntergangsgetränkter Ruhe.

JKS Makokha, „The Footpaths of Thought“, von mir aus dem Englischen übertragen.


8 Kommentare

  1. Veröffentlicht 06.09.2009 in 20:18 | Permalink

    Ich bin ja nicht sicher, ob ich mich mit dieser gerne zitierten Dichotomie Welt / Gedanken anfreunden kann.
    Aber vielleicht lese ich die auch sowieso nur in das Werk hinein, weil ich mich heute ein bisschen konträr fühle.

    • Veröffentlicht 07.09.2009 in 00:06 | Permalink

      Ich dachte, es sei vom Suchen die Rede, nicht aber vom Finden. Davon, dass man den Ausbruch versucht, um sich der Dichte der Masse zu entziehen – aber ständig, auf Schritt und Tritt, wo doch eben jede jeder auf Zeh oder Reifen jeder, jedes tritt, darauf zurückgestoßen wird, dass der Ausbruch nicht gelingt. Abgelatschte Wege, keine Neuerkundungen, sondern versuchte Flucht vom Gewohnten, in die aber das Gewohnte immer schon eingesickert ist. Keine Dichotomie, sondern öder Einheitsbrei mit einer Prise Phantasie nachgeschmeckt.

  2. Veröffentlicht 06.09.2009 in 21:20 | Permalink

    Wäre toll, wenn du das Original hinzufügen würdest.

    • Veröffentlicht 07.09.2009 in 00:12 | Permalink

      Ich hätte es beinahe mitveröffentlicht, bin mir aber nicht sicher, inwiefern der gute Justus damit einverständen wäre. Ich hab’ ihm die Übersetzung schon von über einer Woche geschickt, aber bislang nichts gehört. Keine Ahnung, ob er sich sozusagen „alle Rechte vorbehält“, zumal das Gedicht nirgends veröffentlicht ist; er hat’s mir als Teil einer kleinen Auswahl per Mail und ganz zu meinem Vergnügen zukommen lassen. Kurz: No idea, ob ich überhaupt dran denken darf, es hier zu posten …

  3. JKS
    Veröffentlicht 10.09.2009 in 17:58 | Permalink

    Liebe Freunde. Das Gedicht ist für alle Leser im Allgemeinen aber diejenigen zuhause spezifisch. Jedoch können Sie es in der ursprünglichen Form hier lesen. Ich bin meinem Freund für seine Übersetzung dankbar. Probleme von Copyrights werden nur relevant werden, wenn die Endanthologie Anfang 2012 veröffentlicht wird. Ihr Kommentar ist tatsächlich willkommen.

    ———-

    The Footpaths of Thought

    They are winding and somewhat narrow;
    these paths our evening thoughts retrace,
    when we, after work, abandon, somehow
    the daily weight of worldly affairs.

    When in crowdy evening company
    of commuting city strangers,
    many are the moments
    you and i
    opt to take solo walks within
    along these footpaths of thought
    in the company of our selves.

    Retreating from cold city pavements,
    where man, machine, women vent
    step on toes or tires of each,
    we choose to withdraw from reach
    each minute we meander in the maze
    within our own roaming minds
    in search of our own company
    and a measure of sun-down serenity.

    • Veröffentlicht 10.09.2009 in 22:18 | Permalink

      Das heißt: ab Frühjahr 2012 kriege ich fortlaufend Mahnungen von Deinem Anwalt? ;-)

      Danke – herzlichst! – für das Original. Es war vermutlich nicht das letzte Mal, dass ich mich an Deinen Zeilen versuche. Hätte ich im Übrigen gewusst, dass die Sache so unkompliziert ist: ich hätte Dich von vornherein gefragt!

  4. JKS
    Veröffentlicht 11.09.2009 in 20:12 | Permalink

    Gerne… :-)

  5. Veröffentlicht 12.09.2009 in 13:32 | Permalink

    Nach Lesen des Originals hier einige Anmerkungen & Fragen zur Übersetzung:

    An einigen Stellen hast du Wörter anders als für mich erwartet übersetzt. „These paths“ hätte ich mit „diese“ oder eher mit „jene“ übersetzt. Ähnlich bei „within“, wo du dich zu „auf“ entschieden hast (wäre es danach nicht „entlang dieser“ anstatt „entlang diese“?).
    Dann hast du zwischen „jedem Zugriff jede Minute“ kein Komma gesetzt und ich habe überlegt, ob ich es so schöner finde als mit, aber letztlich glaube ich, dass es für mich mit besser wäre. Der nicht eingesetzten Zeilensprung gefällt mir auf jeden Fall.
    Bei sun-down hätte ich wohl etwas Kürzeres als „sonnenuntergangsgetränkt“ übersetzt, aber kitischig finde ich es – nach einigem Überlegen – dann doch nicht.

    Dann noch zwei Sachen. Du übersetzt an einer Stelle
    company mit Beisein. Mir klingt das im deutschen zu fern (im Vergleich zu company). An anderer Stelle übersetzt du:

    „where man, machine, women vent
    step on toes or tires of each,“

    mit

    „wo sich Mann, Maschine, Frau Luft machen
    während jede jeder auf Zeh oder Reifen jeder, jedes tritt“

    Ich verstehe die Intention der Textstelle im Englischen vielleicht nicht richtig, denn der Autor hat sich offensichtlich bewusst für „man“ als Universalbegriff und für „women“ als Pluralbegriff entschieden. Dafür ein Äquivalent zu finden ist natürlich nicht einfach. Alternativ wäre wohl nur eine Abwendung von den ursprünglichen Worten möglich gewesen.
    Die zweite Zeile, die du übersetzt ist dahingehend interessant, aber sie stört meines Erachtens den Lesefluss. Das Bild im Original ist bereits komplex und wird dadurch weiter verkompliziert.

    „Gedankenpfade“ wäre vermutlich meine Übersetzung für den Titel, wenn dieser im Original tatsächlich „Footpaths of Thought“ (und nicht Plural) war um weniger den Prozess denn das Objekt in den Vordergrund zu stellen und an Trampelpfade anzuschließen, aber ich gebe zu, dass ich zur Kompositabildung neige und dann etwas voreingenommen bin.

    Liebe Grüße,
    L


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