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Aufgrund schlechten Signals (Falsche Frequenz)

Die mangelnde Reichweite, die ‚akademischer Kurzwelle’, wenn man sie so nennen wollte, und die aus ihr sich ergebende ‚Unsichtbarkeit’ oder ‚Überhörbarkeit’ gesellschaftspolitisch und ethisch engagierter Geisteswissenschaft gibt mir ja schon länger zu rätseln. Insbesondere sobald man die Außenwirkung akademischer Arbeit öffentlich, d.h. universitätsintern oder auf Konferenzen in Frage stellt, berührt man offenbar eine Blindstelle, ein Tabu, dessen Konfrontation völlig überfordert. Als ob man an den Grundfesten intellektuellen Selbstverständnisses rüttelte.

Und das vermutlich vollkommen zurecht, ruft man sich die ursprünglichste Pflicht jedes Lehrenden und Forschenden – der Pflicht jeder Professorin, jedes Professors – ins Gedächtnis: „Professer“, liest man aus der Feder Jacques Derridas*,

heißt im Französischen wie im Englischen offen erklären, öffentlich erklären. […] Professer, das heißt ein Unterpfand hinterlegen, indem man für etwas einsteht und sich dafür verbürgt [… Es heißt also auch] mit erhobener Stimme erklären, wer man ist, indem man den anderen bittet, dieser Erklärung aufs Wort zu glauben. [… Es] heißt sich verpflichten, indem man sich erklärt, indem man sich für etwas ausgibt – und hingibt, indem man verspricht, dieses oder jenes zu sein.

Diese leidenschaftliche Verpflichtungserklärung, dieses „bindend[e] Übernehmen einer Verantwortung“ im treuen Dienst dieser oder jener Sache, dieses oder jenen Zwecks, wird durch einen fast unsichtbare oder fast durchsichtige Grenzziehung abgesteckt, die vermutlich erst für die ein oder zwei jüngsten akademischen Generationen zu einem großräumigen Hindernis gewachsen ist – zu einem Hindernis, das Derrida als die paradoxe „Einschränkung“ begreift, „öffentlich alles auszusprechen, was man für wahr hält und was man sagen zu müssen glaubt, aber nur innerhalb der Universität“.

Es wäre absichtlich verfehlt, wollte man dieses ‚innerhalb Bleiben’ als ein Verschanzen, eine Selbstisolierung, als Weltflucht deuten; richtiger ist wohl eher die Feststellung, dass akademisches Gesellschaftsengagement ‚zurückgeblieben’ ist: Man darf von einer ‚Überholung’ aufgrund veränderter Konstellationen sprechen, und sie erfordert nichts weniger als eine Selbstüberholung der Universität. „[U]m wirkungsvoll Widerstand zu leisten, [… muss] sie sich mit außerakademischen Kräften verbünden, um durch eine erfindungsreiche Gegenoffensive jedem (politischen, rechtlichen, ökonomischen etc.) [… A]neignungsversuch und allen anderen Figuren der Souveränität entgegenzutreten.“ Es gilt mit anderen Worten also, andere öffentliche Räume außerhalb der öffentlichen Universität zu erschließen. „Die unbedingte Universität hat ihren Ort nicht zwangsläufig, nicht ausschließlich innerhalb der Mauern dessen, was man heute Universität nennt. Sie wird nicht notwendig, nicht ausschließlich, nicht exemplarisch durch die Figur des Professors vertreten.“ Sie ist, „[w]o immer sie (sich) […] zu denken gibt.“

Zum Beispiel hier.

* Jacques Derrida, Die unbedingte Universität. Frankfurt (Main): Suhrkamp (2001), S. 34-35, 45, 77.

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