überspringe Navigation

Kunst – für alle!

Kunst, könnte man als Plattitüde formulieren, gibt der Auseinandersetzung mit „Welt“ eine Form: Sie weckt Sensibilitäten, macht einfühlsam für den Alltag. Im sogenannten Realismus ist dieses Streben nach Rückkopplung am offensichtlichsten verkürzt, denn anhand seiner Abbildungen, seines „Bildungsauftrags“, soll man – fast wie Ranke es wollte! – sehen können, „wie es eigentlich gewesen“ ist, wie es eigentlich ist. Kunst ist im weitesten Sinne also Verwandlung des Alltäglichen, durch die das Alltägliche, unsere Prägungen und Neigungen, unser Denken und Handeln, erst erkennbar, faßbar, denkbar werden.

Der Denkfehler: Das Ergebnis dieser Ästhetisierung des Alltäglichen ist kein ästhetischer Alltag, sondern ästhetische Kunst.  Durch welche Verkrümmung kommt der kurzsichtige Wunsch zustande, beide Welten verschmelzen zu sollen? Wieso für all diese Jonathan Meeses die utopische Vision, – doch an der Welt vorbei! – jeden zu einem Künstler zu erziehen?

55 Kommentare

  1. Veröffentlicht 11.03.2009 in 22:18 | Permalink

    Kunst ist Fiktion, Phantasie, eine Welt die der Welt gegenübertritt, die aber doch in einem Bezug zur Realität, die sich uns immer entziehen wird, steht.

  2. Veröffentlicht 13.03.2009 in 16:33 | Permalink

    Zwei Welten, un/trennbar. Eigentlich ein beiläufiger Gedanke, der’s ins Notizbuch geschafft hat, und ich frage mich, warum.

    Die Futuristen, über die Du neulich noch geschrieben hast, haben im Prinzip nichts anderes angestrebt als die Monopolisierung der einen zuungunsten der anderen „Welt“. Wenn zwei Ideologien aufeinanderprallen, stellt sich diese Durchsetzungsfrage fast wie selbstverständlich. Dagegen hat das Projekt, Kunst zum Ausgangspunkt der ‘realen Welt’, zum Axiom zu machen, nichts mehr mit Kunst, sondern nur noch mit Dogmatik gemein: Kunst verhilft mir nicht mehr zum Blick auf die Welt, wenn alle Perspektiven ‘künstlich’ sind. Kein „korrigierender Spiegel“ mehr.

    Die Futis hätten mal versuchen sollen, ihr Rohöl künstlich zu fördern. Und auch künstlicher Strom hätte ohne Frage ganz neue Spannungsverhältnisse hervorgerufen …

  3. Veröffentlicht 16.03.2009 in 23:16 | Permalink

    Man steht staunend vor einem Kunstwerk, bemerkt was es bewirkt, und wünscht sich mitunter „mehr davon“. Ähnlich die Perspektive des Künstlers, der sieht, dass er Einfluss besitzt und Wirkung erzielen kann, und zwar auf Mensch und Welt. Der Wunsch, dass die Kunst den Alltag durchtränken kann und soll, in besser machen (verbessern, zum Guten wenden) liegt nicht mehr fern, und ist auch nicht neu. Ich kann das durchaus verstehen.

    Natürlich ist Kunst per se Nicht-Alltag, und keine Kunst mehr, wenn sie tatsächlich Alltag würde, und zwischen Alltag-sein, und Einfluss haben ein Unterschied. Aber dennoch: Wer in dieser Logik bleibt, muss vielleicht auf der Quadratur des Kreise beharren.

  4. Veröffentlicht 19.03.2009 in 23:56 | Permalink

    So ganz allmählich schleicht sich bei mir der Verdacht ein, dass die ‘Wahrheit’ irgendwo zwischen Deiner Einschätzung und der feinen Überlegung des Blogozentrikers, der neulich darüber sinniert hat, was denn nun den Menschen zum Künstler mache

  5. blogozentriker
    Veröffentlicht 26.03.2009 in 11:25 | Permalink

    Ich glaube, was der Blogozentriker lebt, ist, dass Kunst auch einfach eine Überlebensstrategie ist. Idealismus aus Not, geboren aus der Beschämung über das Menschsein, über die dreckige Macht des Alltäglichen. Sublimation, Kompensation, Abwehr. Die Arbeit der Überformung, um nicht vollends den Verstand zu verlieren, Flucht auf den Zauberberg und Ergebung in den ästhetischen Schein. Den Irren spielen, sich das Ohr abschneiden, damit einem nicht die Augen ausgestochen werden mit dem sprichwörtlichen Balken, von den Notwendigkeiten einer ganz gewöhnlichen brutalen menschlichen Existenz. Wie viel verblendete Stärke, Härte und Grausamkeit braucht man, um ein Durchschnittsmensch zu sein? Man frage Friedrich Nietzsche danach …

  6. Veröffentlicht 29.03.2009 in 10:15 | Permalink

    @blogzentriker

    Was ist der Durchschnittsmensch jenseits der Tautologie, dass es ihn geben muss: Einen Durchschnitt, einen Mittelwert kann man immer bestimmen. Und wie weit kann man die „Motivation“ eines Künstlers tatsächlich derart allgemein festmachen? Zuletzt: Hätten nicht viele Künstler zu aller erst über ihr eigenes Menschsein beschämt sein müssen?

  7. blogozentriker
    Veröffentlicht 29.03.2009 in 11:36 | Permalink

    Dear metepsilonema,

    vollkommen richtig, dass der Durchschnittsmensch eine Konstruktion ist; auf mich übt er aber gerade wegen seiner Fiktionalität eine wahnsinnige Attraktivität aus. Kann ein statistisches Mittel Probleme mit der Bewältigung eines, z. B., auch ganz statistischen Alltags haben?

    Dass aber gerade der Filzhut-Schamane Joseph Beuys auf eine Entsakralisierung der Kunst scharf gewesen sein sollte, halte ich für unwahrscheinlich; eher ging’s ihm doch wohl um eine Sakralisierung des Nichtkünstlerischen.

    R.

  8. Veröffentlicht 29.03.2009 in 15:11 | Permalink

    Das käme darauf an wie weit beides (Alltag und Durchschnittsmensch) einander bedingen, oder von einander abhängen.

    Aber eine Sakralisierung des Nichtkünstlerischen hätte doch den selben Effekt: Kunst und Alltag siedeln dann auf der selben Ebene.

  9. blogozentriker
    Veröffentlicht 31.03.2009 in 19:21 | Permalink

    Na ja, klar. Banal und sakral, das sind ja bekanntlich Synonyme. Genau wie „Durchschnittsmensch“ und „Religionsstifter“.

  10. Veröffentlicht 02.04.2009 in 00:20 | Permalink

    @ blogobob
    Momäng, nur zur Klärung. Stehste dann nicht wieder vor „meinem“ ursprünglichen Gedanken, dass Kunst [...] im weitesten Sinne [...] Verwandlung des Alltäglichen ist, durch die das Alltägliche, unsere Prägungen und Neigungen, unser Denken und Handeln, erst erkennbar, faßbar, denkbar werden? Die Idee des Banalen und des Sakralen wären damit nur fast synonym, fielen damit nur fast zusammen. Ich bin geneigt, das Eine als jeweilige „Schattenseite“ des Anderen zu sehen, rudere aber zurück und behaupte stattdessen: Nur über das Sakrale wird das Banale überhaupt erkennbar, nur über das Banale wird das Sakrale überhaupt erkennbar. Mir ist so, als ob das Eine stets die Linse für die Möglichkeit der Betrachtung des Anderen wäre.
    [Was zwei Gläser Alkohol und ein (uninspiriertes) Fußballspiel für Gedanken lostreten ...]

  11. blogobob
    Veröffentlicht 02.04.2009 in 15:43 | Permalink

    Dear Sir,

    mag ja alles sein, woher soll ich das wissen? Was für eine Anmaßung, hier über die Ästhetik zu debattieren wie Hegel! Deine Definition scheint mir ebenso auf einen Tagebucheintrag zuzutreffen, und genau da liegt das Problem: Denn für mein Empfinden stellt künstlerische Betätigung natürlich den Versuch da, die unerträglich rohe, ungegliederte, formlose Masse des Alltagsgeschehens in eine Form zu bringen, die Sinn verheißt und also auch etwas wie Erlösung. Aber da beginnt das Furchtbare! Denn 99,97 Prozent dessen, was da produziert wird, ist scheiße. Echt, der letzte autistische, aufgeblasene, präpotente Dreck. Tagebuchliteratur. Feige, eitel, hinterhältig. Doch der Preis für diesen ungeheuren Ausschuss? Dass diese 0,03 Prozent, die übrigbleiben, vielleicht wirklich vorstoßen in einen Bereich, der … den wir gern mit Begriffen wie „sakral“ und „antiprofan“ usw. zukleistern können, von dem wir aber, wenn ich uns hier richtig einschätze, einfach keine Kunde geben können, ebenso wenig wie der alte Filzhutträger, Verkaufsschamane und Fetthändler Joseph B.

    Beste Grüße,

    The Blogobob

  12. Veröffentlicht 02.04.2009 in 19:05 | Permalink

    Bonsoir, Monsieur Double-B.,

    das Wort „Ästhetik“ hab’ ich bislang in keiner einzigen Silbe mitgedacht (zumindest nicht bewusst), und wollte es auch eigentlich raushalten.

    Falls ich Dich jedenfalls unter Einbezug Deiner Gleichungslösung richtig verstanden habe, ist es doch so was von egal, wo und in welcher Form sich diese 0,03 Prozent massenbereinigte Sphäre kristallisieren. Ob Tagebuch oder Tonfigur – who gives a damn? 99,97 Prozent nichtsnütziger, selbstgefälliger Irrsinn, versuchtes Verstehen – und dann plötzlich, mittendrin, streift man die 0,03er Marke und weiß plötzlich, im Augenblick des Davorstehens, des Aufnehmens, dass man nichts weiß; dass der Wunsch, zu erkennen, einen nur erkennen lässt, dass man vollkommen ahnungslos ist.

    Ich folge Dir da vollkommen in Deiner Einschätzung, wie selten, wirklich selten solche Klarheit zustandekommt. [Daher ja auch meine (ja: unbeholfen formulierte, vielleicht sogar überflüssige) Frage, warum es Freaks gibt, die meinen, Kunst zur Politik erheben zu müssen.] Parallel dazu versuche ich aber Deinen schriftlichen Ton zu lesen: ob 99,97 Prozent Menschenverachtung Dich Deine Worte im Einzelnen wählen lassen …
    [Die Neugier, Verzeihung]

  13. blogobob
    Veröffentlicht 03.04.2009 in 12:05 | Permalink

    Lieber Willyam,

    wie viel Menschenverachtung muss in die Entwicklung eines neuen Audi-Modells gesteckt werden? In diese Raketen, mit denen der menschliche Wille das Raum-Zeit-Kontinuum in die Luft sprengt? Und ist das dann Kunst, so ein High-Tech-Rennwagen? Wie viel menschliche Substanz wird durch ein solches Auto und für ein solches Auto verformt? Und die Nike von Samothrake, wer zahlte für die? Oder der Vorlauf, damit Michelangelo die Sixtinische Kapelle auspinseln konnte. Wie viel Leid, unerschöpflich, unzählbar. Die Indios müssen ausbluten, damit der Papst zum Telefon greifen kann und den Auftrag erteilen. Wo ist da das Sanfte, Milde, Schöne, Versöhnliche, in all diesen brutalen Rechnungen? Ist es nicht eigentlich zynisch und menschenverachtend, sich all dieses Grauen in Permanenz schön zu reden? Zu sagen: Der Alltag ist Kunst? Wohlgemerkt, das Verhältnis ist, realistisch betrachtet: 0,03 Prozent Kunst zu 99,97 Prozent Leid. Ist das ein Verhältnis, das in irgendeiner Weise entschuldbar ist? Nimmt einer, der den Alltag zur Kunst verklärt, also Partei für das Leid, indem er es abrundet auf die volle Punktzahl?

    Das würd mich mal interessieren, wie Du diese Fragen siehst, von Deinem Theorie-Olymp aus. Ich bin pathetisch, aber wenn man’s selbst in dieser Frage nicht ist, dann kann man alles auch gleich lassen, oder?

    Dein Blogobobber

  14. Veronika
    Veröffentlicht 03.04.2009 in 12:41 | Permalink

    Warum verklärt? Das versteh ich nicht.. warum setzt man Kunst immer gleich
    ineins mit der Ästhetik? Und wozu dieses ständige Podest auf das man sie
    stellt? Natürlich gibts die „Businesskünstler“ die ihre
    hübschen Bilder auf den Markt werfen aber im Grunde ists ein Vorurteil
    das Kunst ästhetisch sein muss.. ja und definitiv Kunst ist keine Politik
    keine Wissenschaft keine Disziplin sie folgt den Ansprüchen und dem Horizont ihrer Macher.. sie ist nur eine vielgestaltige Sprache nichts weiter und das für
    jeden.. was sie dann ausdrückt oder eben nicht ob sie Relevanz hat oder nicht
    hängt am Einzelnen denn schreiben darf ja auch jeder – aber das kann eben
    leider nicht jeder.

  15. Ferdinand
    Veröffentlicht 03.04.2009 in 15:29 | Permalink

    Ich find das auch wahnsinnig einengend und eingeengt. Wenn ich mir die neue „Monopol“ hole, mal als Beispiel, das ist auch ein Akt der Kunst. Ich sehe nicht ein, wieso ich mir einen abbrechen soll, wenn Kunst auch einfach aus mir herausfließt, wenn ich nur mein Bewusstsein öffne. Da lese ich lieber ein gutes Buch von Heinrich Böll, da hab ich, ehrlich gesagt, mehr davon. Kunst ist für jeden etwas anderes, und das ist gut so!

  16. Veröffentlicht 04.04.2009 in 22:26 | Permalink

    Wenn Kunst etwas wie handwerkliche Meisterschaft voraussetzt (sich darin freilich nicht erschöpft), dann ist sie schon aus diesem Grund nichts Alltägliches. Die (Be)Deutung des Werks, das in einem schöpferischen Akt entsteht, und das Erleben, das es beim Betrachter auslöst, all dem gestehe ich durchaus auch subjektive, und gesellschaftlich geprägte Momente zu, aber ich glaube im Regelfall lässt sich schon sagen was eine Radierung Dürers von meinen im Werkunterricht entstandenen unterscheidet – und zwar nicht nur hinsichtlich technischer Meisterschaft, sondern auch auf der Ebene des Ausdrucks (was deswegen noch nicht heißt, dass man Dürer mögen muss). Wobei immer – da muss ich meinem Vorredner recht geben – immer ein unerklärlicher, nicht deutbarer „Raum“ bleibt.

    @blogzentriker
    Denn für mein Empfinden stellt künstlerische Betätigung natürlich den Versuch da, die unerträglich rohe, ungegliederte, formlose Masse des Alltagsgeschehens in eine Form zu bringen, die Sinn verheißt und also auch etwas wie Erlösung. Sinn, Erlösung … immer? Ich glaube nicht.

  17. Veröffentlicht 06.04.2009 in 21:54 | Permalink

    Offenbar provoziert so ein anfänglicher Allgemeinplatz allerhand weiterer Allgemeinplätze; vielleicht bemühen wir uns um eine Entschärfung? Wenn z.B. Du, Ferdinand, nochmal ausführen wolltest: Kunst ist für jeden etwas anderes, und das ist gut so!

    Durch größeren Maßstab betrachtet gibt es nichts, was wir tun, denken, fühlen, dass sinnfrei wäre. Selbst die kleinen Zeitfenster, in denen wir mal „nichts“ tun, sind Erholung für das, womit wir unser Frühstück, Mittagessen und Abendbrot auf den Tisch hieven. Kunst hat da, in diesem „Raum“, definitiv ihren Platz: Sie ist seit jeher Sinngebungs-, Erlösungsversuch. Wieder eine Plattitüde; auch wenn ich mit dem Eintrag auf nichts anderes als diese ‘funktionale’ Beziehung hinauswollte, deren Zweck nicht darin besteht, zu ästhetisieren, sondern aufzuklären. Nun werden der Rechnung des blogozentrikers nach allerdings zu 99,97 Prozent nur Lüge und schöner Schein, Kurzsicht, Verblendung gehandelt, kleine Nachbesserungen erledigt – das die Ecke der Ästhetiker. Die Drecksarbeit, auf eine „Wahrheit“, (die zwar subjektiv sein mag, aber gerade durch ihre „Wahrheit“ über sich hinausreicht), zu zeigen, anzudeuten … eine „Wahrheit“, die nicht erhebt, schönt, täuscht, sondern die 99,97 Prozent verkrampfte Selbstgefälligkeit aufdeckt, mit der sich 99,97 Prozent ihrer Existenz rückversichern … Diese „Meisterschaft“, um metepsilonema zu zitieren, hat wohl wirklich nichts mit Formschönheit und Ästhetik im gebräuchlichen Sinn zu tun. [Wie ich schon meinte, Bob: ich glaube, wir liegen gar nicht so weit auseinander.]

  18. Dr. Seltsam
    Veröffentlicht 06.04.2009 in 22:14 | Permalink

    Mit Ästhetik meinte ich natürlich nicht die Branche des Designs, nicht die blanke ornamentale Verschönerung. Ich meinte eher die Branche des philosophischen, vornehmer gesagt: des konsequenten Nachdenkens über die Kunst. Das war wohl ein Missverständnis. Das Schwierige bei der Kunst ist, dass Talent nicht reicht. Das macht, glaube ich, auch das Unerklärbare und Beunruhigende dieses Phänomens aus. Klugheit reicht nicht, Talent reicht nicht, aber was reicht eigentlich? Was ist der Faktor X, der uns fühlen lässt: „Das ist Kunst!“? Vielleicht kommen von der Autismusforschung neue Impulse. Da wäre ich gespannt. Ohne Talent geht es bei der Kunst nicht, schon klar – nicht, dass hier wieder einer einen langatmigen Eintrag startet -, aber etwas anderes muss hinzukommen. Ob das ein Gefühl für die Marktlücke ist, eine hochqualifizierte Beobachtungskompetenz der Eigenlogik des Kunstsystems – wenn ich die entsprechenden Hinweise richtig versammelt habe, lag auf diesem Feld ja z. B. Andy Warhols Genie – oder ganz einfach ein hypertrophes, ins Aberwitzige und eigentlich Unerträgliche gesteigertes Mimesis-Vermögen wie bei Picasso – oder diese ohrabschneiderische Eigenbrötlerei à la van Gogh – etwas Gestörtes, Krankes, Abnormes tritt hinzu. Denken Sie an Bobby Fischer. Der Mann war ja irre. Auch Michelangelo, als Privatperson gar nicht zu ertragen. Gottfried Benn hat große Zeiträume seines Lebens mit Betrachtungen zum Themenkomplex „Genie und Perversheit“ gefüllt! Das müssen Sie sich JA MAL KLAR MACHEN, meine Damen und Herren! In welcher Welt wir hier eigentlich LEBEN! Das ist ja ganz etwas anderes als. Ach. Egal.

  19. Veröffentlicht 06.04.2009 in 23:20 | Permalink

    @willyam

    Aufklären? Zweck in der Kunst? Verstehe ich dich recht?

  20. Veröffentlicht 06.04.2009 in 23:46 | Permalink

    @ Metepsilonema:
    Ja, natürlich. Das, was ich unter „Kunst“ verstehe, „klärt auf“. Hier fällt irgendwo der Satz, dass sie die Aufgabe hat, Dich anders sehen zu lassen – „to make you see differently“.

  21. Veröffentlicht 07.04.2009 in 00:25 | Permalink

    Ich frage, weil es durchaus Positionen gibt, die jeden Zweck in Abrede stellen, z.B. diese.

    Was ist mit diesem Sehen gemeint? Ausdruck? Erleben? Oder etwas anderes?

    Wenn Künstler etwas ausdrücken – ihr subjektives Erleben, kann es dann Zweck der Kunst sein, dass wir etwas anders sehen sollen, eine Art Perspektivenwechsel? Ginge das, ohne etwas mitzuteilen?

  22. Veröffentlicht 08.04.2009 in 00:05 | Permalink

    @ blogozentriker & metepsilonema:
    Ich glaube nicht, das die Beobachtungsgabe, die Feinfühligkeit eines Künstlers sich auf das „Kunstsystem“ beschränkt. Jemand, der Kunst schafft … dem gelingt es, seine Erfahrung zu verdichten und in der Verdichtung gleichzeitig zu verallgemeinern (was ich nicht als Synonym zu „leicht verständlich machen“ verstehe); er macht seine Erfahrung(en) kommunizierbar. Dieser Verweis über sich selbst hinaus ist damit ein für – für einen Zweck, für Jemanden.

    Damit hebt sich Herbsts Position auf, vermute ich mit dem ein oder anderen Fragezeichen im Hinterkopf? Die Zweckhaftigkeit von Kunst abzulehnen, ist selbst wiederum anti- oder postmoderner Zweck, um der Zweckversessenheit der Moderne entgegenzutreten. L’art pour l’art. (Wikipedia & Georg Simmel dazu)

    Spannend finde ich den Link auf Herbsts Seite, die zu einer von ihm gehaltenen Rede führt. Vielleicht finde ich morgen Zeit, sie zu lesen. Was ich überflogen habe, scheint mir doch in Deine Argumentationsrichtung zu tendieren, Bob?

  23. Veronika
    Veröffentlicht 08.04.2009 in 08:03 | Permalink

    @ willyam
    Nochmal zu aufklären.. gute Kunst klärt auf? Was verstehst Du darunter?
    Ja sie lässt manche Dinge aus einem anderen Blickwinkel erkennen.. aber ist
    das das gleiche wie aufklären? Worin ich Dir zustimmen kann ist, dass
    der Künstler Erfahrungen verdichtet und verallgemeinert – nicht
    nur auf sich bezieht, aber sobald er beginnt alles hinreichend aufzuklären
    leidet die Qualität – der Betrachter braucht den Raum.. Im Idealfall
    produziert der Künstler ein Spannungsfeld eine Art gerichtete „Provokation“
    (im Gegensatz zu Jonathan Meese) er öffnet einen Denkraum der Fragen
    aufwirft die aber nicht zwingend beantwortet werden müssen
    - sie sollen den Betrachter weiter führen ein Suchen auslösen klärt der
    Künstler wirklich auf degardiert er seine Arbeit zu Illustration.

  24. Veröffentlicht 08.04.2009 in 12:04 | Permalink

    @willyam

    Eigentlich sollte ich etwas anderes tun, aber es lässt mich gerade nicht los…

    Ich glaube wir müssen auseinander halten von welcher Seite aus der Zweck gesetzt wird: Wenn ein Künstler sagt, dass er mit seiner Kunst keinen Zweck verfolgt (also nicht erlösen, oder aufklären, sondern ausdrücken will), muss man ihm das zunächst glauben, es sei denn er hat sich schon anderwärtig geäußert oder sein Werk legt anderes nahe. Das heißt nicht, dass Kunst nicht trotzdem aufklären kann, aber das ist dann eine Sicht des Betrachters, und ein anderer Blickwinkel. Das zu generalisieren halte ich aber für problematisch: Nur weil manche Kunstwerke für mich aufklärend wirken, tun das nicht alle oder Kunst per se. [Ich bin sehr skeptisch Kunst allgemeine Funktionen zuzuweisen.]

    Ein Merkmal von Kunst (zumindest von Literatur) im allgemeinen ist doch, dass immer Deutungsspielräume bleiben, die nicht eindeutig auszubuchstabieren sind, und sie sich damit einer Festlegung entziehen. Das gilt doch dann auch für Sinn und Zweck, über den der Künstler keine Deutungshoheit besitzt. Wir aber auch nicht.

  25. Veronika
    Veröffentlicht 08.04.2009 in 13:28 | Permalink

    @ metepsilonema

    ja genau.. das (für mich so empfunden) Schöne an der Kunst ist ja ihre Regellosigkeit, dass der Künstler selbst das „Reglement“ oder die Anarchie (die natürlich nie vollständig eine sein kann – geht doch alles was er produziert durch den Duktus und das Reglement seines Denkens) sowie Thema und die Form wählt – man kann ihr den Zweck nicht aufzwingen.
    Auf die Frage was denn Kunst nun wirklich sei gibt es bislang auch keine hinreichende Antwort – die für mich am richtigsten empfunden ist immer noch: eine Sprache und das Recht zu Sprechen hat so gesehen jeder – daher: ja – Kunst für alle – sie ist an sich ein Menschenrecht.

    Welchen – oder ob überhaupt Zweck, welche Form, ob nun Handwerk, Ausdruck oder Inhalt ist dann subjektiv.. ebenso das was man dann aus ihr zu lesen glaubt, die Bedeutung die man ihr zumisst sowie unsere Einteilung in gut oder schlecht.. aus denen dann letztlich die Konsense und Strömungen entstehen (und eben nicht aus der Absicht oder Nicht-Absicht des Künstlers)
    Sie erliegt der gleichen Unschärfe wie unsere Sprache.. nur leider bleibt zu bemerken, dass man in der Schulbildung auf das Wort mehr Wert und Augenmerk legt, wie den gestalterischen Ausdruck denn die meisten Erwachsenen sind was ihre „traditionellen“ gestalterischen Ausdrucksformen betrifft auf dem Status eines acht bis zwölfjährigen.
    Da man bereits vor Jahrhunderten mehr oder minder aufgehört Bildsprache zu lesen und die Entsprechungen dessen was wir sehen uns oft viel weniger bewusst sind wie bei Gelesenem.. da wir Menschen irgendwann begonnen haben dem geschriebenen Wort unserer Kultur mehr Bedeutung zukommen zu lassen als dem Evidentem der Bildproduktion.
    Hierher rühren auch, zu einem nicht unwesentlichen Teil zumindest, so denke ich, die massiven gesellschaftlichen Diskurse über Kunst.

  26. Veröffentlicht 08.04.2009 in 17:25 | Permalink

    @ Veronika & metepsilonema
    Ich gehe da vollkommen konform mit euch: „Spannungsfeld“, „eine Art gerichtete ‘Provokation’“, „Deutungsspielraum“ … ganz in diesem Sinn klärt Kunst auf. Das Missverständnis zwischen uns rührt allein daraus, dass ich „aufklären“ nicht als „eindeutig erklären“ verstehe. Auch wenn ich’s jetzt vielleicht wieder zu theoretisch handhabe: die Möglichkeit dieser Umdeutung eröffnet Michel Foucault auf eine sehr feine Art und Weise. Er reagiert auf Kants „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“ mit folgender Interpretation: „[...] the way Kant poses the question of Aufklärung is entirely different: it is neither a world era to which one belongs, nor an event whose signs are perceived, nor the dawning of an accomplishment. Kant defines Aufklärung in an almost entirely negative way, as an Ausgang, an ‘exit’, a ‘way out.’ [...] He is not seeking to understand the present on the basis of a totality or of a future achievement. He is looking for a difference: What difference does today introduce with respect to yesterday?“ Im Mittelpunkt also: eine Frage, genauer noch: das Fragen, das Fragen Stellen. Aufklärung ist nicht „Antwort geben“, sondern geistige Beweglichkeit, Hinterlaufen von Positionen – die Suche nach Unterschieden. Die Möglichkeit einer endgültigen, vollständigen Aufklärung sehe ich folglich nicht. Aufklärung klärt die Vertraktheit der Welt nicht auf, sondern verdichtet sie im Gegenteil bis in die individuellsten, subjektivsten Ecken hinein: indem sich jemand eine Frage stellt und so formuliert, dass sie einen Anderen bewegt oder betrifft. Das ist der Zweck, dem ich Kunst (und, ohne das Fass weiter aufmachen zu wollen, auch die Wissenschaft) verpflichtet sehe. „Alles andere“, möchte ich fast schließen, „ist soziopolitischer Tinnef.“ ;-)

  27. Veröffentlicht 14.04.2009 in 00:42 | Permalink

    Das ist die Position des Betrachters in der ich mit Dir übereinstimme (vielleicht ging mein voriger Kommentar etwas in die falsche Richtung). Aber: Kann ich der Kunst aller Zeiten und aller Künstler, das immer noch zusprechen („aufoktroyieren“), wenn ich davon ausgehe, dass es nicht in der Intention aller Künstler lag mit ihrer Kunst aufzuklären, und dass auch bei weitem nicht alle Kunstwerke diese aufklärerische Funktion in mir in Gang setzen (im Gegenteil sogar recht selten, wenn man die Masse an Kunstwerken betrachtet), obwohl sie das bei anderen tun? Müsste ich nicht etwas Bescheidener sein?

  28. Veröffentlicht 14.04.2009 in 00:55 | Permalink

    @Veronika
    An Regellosigkeit (ich bin mir aber nicht sicher ob ich dich recht verstehe) glaube ich in der Kunst nicht. Wenn, dann an bewussten Regelverstoß bzw. -bruch.

    Ich würde die Deutung von Kunst nicht ausschließlich subjektiv sehen, aber sehr wohl mit einer solchen Komponente.

    Da man bereits vor Jahrhunderten mehr oder minder aufgehört Bildsprache zu lesen und die Entsprechungen dessen was wir sehen uns oft viel weniger bewusst sind wie bei Gelesenem.. da wir Menschen irgendwann begonnen haben dem geschriebenen Wort unserer Kultur mehr Bedeutung zukommen zu lassen als dem Evidentem der Bildproduktion.

    Das ist insofern interessant, da der optische Sinn bei uns Menschen eine wichtige Rolle spielt, was man anhand vieler Dinge des Alltags gut belegen kann (Fernseher, Plakate, Computer, Zeitschriften…). Was wir zumindest (oder ich wenigstens) kaum mehr vermögen ist, die Symbolik in älteren/alten Gemälden oder Plastiken etc. zu entziffern – aus dem Stand quasi. Schade, irgendwie.

  29. Veronika
    Veröffentlicht 14.04.2009 in 20:32 | Permalink

    @metepsilonema

    nun die Subjektivität der Deutung schließt ja nicht aus, dass sich Absichten des Künstlers und Rezeption des Betrachters treffen.. aber das ist wie Du selbst schreibst

    „dass auch bei weitem nicht alle Kunstwerke diese aufklärerische Funktion in mir in Gang setzen (im Gegenteil sogar recht selten, wenn man die Masse an Kunstwerken betrachtet), obwohl sie das bei anderen tun?“

    eben nicht immer der Fall – oder meist nicht ohne dass kleine weiße Kärtchen dass irgendwo im „Museum“ neben dem Werk an der Wand pickt..

    „Es ist schwierig, irgendetwas vorauszusetzen. Alle Gewissheiten, die sich aus Religion, Autoritäten, Tradition und Stil ergeben, werden infrage gestellt, und der Künstler ist nicht mehr in der Lage, die Reaktion des Publikums auf die Symbole und Bezüge mit denen er arbeitet, vorherzusehen“ so Clement Greenberg in den 40ern.

    Das ist, so denke ich, eine Erscheinung der Postmoderne die in der Kunst „eindeutige“ Strömungen oder Kunst-Richtungen wie Expressionismus, Romatik, Barock nicht mehr zulässt da man in der – bzw. bis zu Moderne differenziert – die Richtung ist durch genaue Regeln abgesteckt – die Postmoderne aber entdifferenziert und die (Rezeptions-)Grundlage der Eindeutigkeit fällt weg – ganz nach dem Motto Paul Feyerabends „Anything goes“ siehe hier.

    Mit Regellosigkeit in der Kunst meinte ich aber lediglich, dass man eben keine Richtungen mehr absteckt, dass der Künstler frei entscheidet wohin und welchem bzw. ob Zweck. So gesehen war meine Regellosigkeit ausgesprochen schlecht formuliert.

    Ich glaube dennoch, dass wir im Grunde einer Meinung sind denn was Du vollkommen legitim als Regel begreifst würde ich eher als Kriterium bezeichnen.. weil Regeln für mich einher gehen mit einer Richtlinie, einer Vorschrift oder Gesetzmässigkeit – etwas sind das ich für „allgemein“ bzw. in weiteren Kreisen für gültig erfahre – ein Kriterium aber als Merkmal für eine Ent- bzw.Unterscheidung verstehe.. und sich Kunst weniger mit dem befolgen von Gesetzmäßigkeiten sondern eher mit Kriterien der Bewertung und Interpretation befasst.

    Mit dem bewussten „Regel“ bzw. Kriterienverstoß oder –bruch sehe ich das ebenso wie mit dem Zweck – es gibt immer noch Dinge die gegen keinerlei „Regeln“ oder „Kriterien“ verstoßen oder sie brechen – wobei man wieder bei der Diskussion anlangt wie definiert man Kunst und was ist dann gute Kunst?

    Hierbei hilt mir Hanno Rauterberg mit der Umkehrung Greenbergs Zitat in seinem Buch Und das ist Kunst?! (ein kleiner Auszug eines Kapitels, dass ich für wichtig halte): „Das Publikum kann auch beim Künstler ‚kaum mehr etwas voraussetzen’ erst recht kein Streben nach dem Wahren und Einschätzbaren Allerdings – so fährt er fort – ist die Kunst mit dem Phänomen der Pluralisierung nicht allein. So wie die Künstler nützen auch viele andere das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung und hoffen darauf, eine breite Öffentlichkeit für sich zu gewinnen. Auch sie könnten sich bequem auf das Argument zurückziehen, heute sei der Gemeinsinn nun mal verweht und somit jedes Bemühen um allgemeine Verständigung so gut wie vergeblich Tatsächlich wird das Schreiben, Reden, Publizieren in einer tribalisierten Gesellschaft nicht unbedingt leichter, doch keinem Demonstranten, keinem Journalisten und nur den wenigsten Schriftstellern fiele es deshalb ein sich ins Niemandsland des Unverbindlichen zu flüchten. Sie versuchen, für viele verständlich und bewertbar zu bleiben, sie halten fest am demokratischen Ideal einer Gemeinschaft der Gleichen. Nun mag die Kunst für sich in Anspruch nehmen sie sei frei von allen Demokratiebelangen und folge anderen Gesetzen als ein Zeitungskommentar. Dennoch bleibt sie eine öffentliche Äußerung. Öffentlich ist sie aber nur, wenn sie sich nicht ins Privatistische verkriecht. Wenn also die eigenen Regeln, die eigenen Kriterien weithin erkennbar bleiben.“

    Und das ist in der Quintessenz das worauf ich hinaus wollte wenn ich in vorangegangenen Kommentaren von Relevanz schrieb.
    Und so Rauterberg weiter: „Den Auftakt des neuzeitlichen Kunstverständnisses markiert also nicht die Verfügung einer Regel, sondern die Frage nach Angemessenheit. Nicht falsche Ehrfurcht stand am Anfang, sondern das Ringen um Qualität. Schon damals war Kunst nicht einfach Kunst. Und auch heute entsteht ihr Wert erst durch Bewertung. „
    Rainer Metzger: „Für dieses Zuteilen der Bedeutung hat die Demokratie für gewöhnlich keine Zuteilungsstelle vorgesehen, es gilt vielmehr das Prinzip der Auslegung“. Um dieses Prinzip zu beleben, – so fährt Rauterberg fort – also um etwas auslegen zu können, muss es erst einmal in den Betrachtern ausgelegt, muss wahrgenommen und reflektiert werden. Und erst wenn einzelne Betrachter sich gegenseitig mitteilen, was sie wahrgenommen und erkannt haben, wenn sie bewerten und beurteilen, kann so etwas wie eine Zuteilung von Bedeutung entstehen. Das Bewerten und Beurteilen kann aber wiederum nur gelingen, wenn es Werte gibt, die vielen sinnvoll erscheinen, und andere Werte, die als unsinnig gelten. Kurzum: wenn es Bewertungs- und Beuteilungskriterien gibt. Wer also meint solche Kriterien könne es nicht mehr geben, plädiert entweder für die Einrichtung einer Zuteilungsstelle oder aber will das Gespräch über Kunst abschaffen und damit letztlich die Kunst selbst.
    Ein guter Künstler ist also einer, der sich seiner eigenen Kriterien bewusst ist, der benennen kann, warum ihm seine eigenen Werke überzeugen. Seine Bewertungen und Entscheidungen mögen sich im Laufe der Zeit ändern, schließlich ist die Kunst nichts Erstarrtes sondern ein unabschließbares Spiel. Und wie jedes gute Spiel hat es Regeln, die sich ausbauen oder verengen lassen. Die Kunst muss diesen Regeln nicht folgen, sie muss sie aber achten. Denn ein gelingendes Spiel bleibt sie nur, wenn es Regeln gibt. Schließlich ist nichts öder als sklavische Regelerfüllung – mit Ausnahme völliger Regellosigkeit. Ein gutes Kunstwerk wäre mithin eines, das bestehende Kriterien aufgreift und variiert, das daraus sogar andere Kriterien entwickelt, nicht unbedingt verbindliche, aber doch.“

    Das ist insofern interessant, da der optische Sinn bei uns Menschen eine wichtige Rolle spielt, was man anhand vieler Dinge des Alltags gut belegen kann (Fernseher, Plakate, Computer, Zeitschriften…). Was wir zumindest (oder ich wenigstens) kaum mehr vermögen ist, die Symbolik in älteren/alten Gemälden oder Plastiken etc. zu entziffern – aus dem Stand quasi. Schade, irgendwie.

    Ja.. kaum einer ist sich heute noch der Revolution eines Breughels (wie immer man den schreibt bei seinen vielen Verwandten) bewusst.. was ich auch definitiv als schade empfinde.. und man kaum begreift wie viel Revolution in den alten verstaubten Gemäldegalerien eigentlich versteckt liegt.. getarnt und zugedeckt von scheinbarer Romantik und Idylle.. die natürlich vorrangig dazu diente dem Künstler den Kopf zu retten
    Aber was ich meinte ist viel eher, dass wir verlernt haben wahr zu nehmen was Bilder mit uns anstellen.. was sie uns vorgaukeln und uns glauben machen allein was uns Farben so vermitteln und wie manipulativ sie sein können.. sie können verharmlosen – uns den die Aufschrift Bio auf dem Joghurt glauben machen oder uns warnen.. bemalte Böden in Bauwerken, zum Beispiel, leiten ganz von selbst ohne ein Wort den Menschenfluss entlang der vorgesehenen Gehwege.. am ehesten ersichtlich werden diese Dinge noch in der Werbepsychologie.

    • Veröffentlicht 15.04.2009 in 11:02 | Permalink

      [Deine Links sind aktualisiert. Ich hab' mich erdreistet, sie geradewegs in den Text einzufügen anstatt sie der Wahrscheinlichkeit auszusetzen, dass sie im Nachfolgekommentar überlesen werden ... ;-) ]

  30. blohogozentriker
    Veröffentlicht 16.04.2009 in 19:07 | Permalink

    Die Kunst stellt, das wird ja deutlich, wenn Metepsilomena bedauert, die Symbolsprache älterer Bildnisse nicht mehr selbstverständlich, aus dem Stand, also gemäß den Gesetzen der Evidenz entziffern zu können, eine Arbeit an und mit hochkomplexen Regelsystemen dar – z. B. können wir, weil uns das Verhältnis zur christlichen Heilserwartung mehr und mehr verschlossen ist, mittelalterliche Kunst nur noch mit Hilfe von Handbüchern deuten. Wir begreifen die Regelsysteme im Grunde nicht mehr, und damit können wir auch die künstlerische Qualität eines solchen Bildnisses nicht mehr spontan bestimmen. Offenbar kommt es nämlich im künstlerischen Akt darauf an, mit den Regeln in einem Maße frei umzugehen, dass wir das System noch erkennen, gleichzeitig uns aber an dem Grad der Freiheit erfreuen können, den jemand diesem ja doch verpflichtenden, Freiheit also eigentlich behindernden und im Idealfall (von den Regeln aus gedacht) sogar ausschließenden System abzutrotzen vermag. (Denn Regeln wollen natürlich befolgt werden, das ist ihre Natur.) Diese Beobachtung gilt – ich meine, das sei evident – auch für parakünstlerische Tätigkeiten. Z. B. kann man souveränen Umgang mit der Alltags- oder Gebrauchssprache genießen – die „Harald Schmidt Show“ wurde zu ihren guten Zeiten aus genau diesem Grunde von ihren Liebhabern goutiert, auch „Die Simpsons“ berühren einen in den besten Momenten mit dem Gefühl: „Das ist Kunst!“

    All das prädestiniert die Kunst dazu, eine Metapher zu werden für den Drang des Menschen hin zur Selbstbestimmung. Das erklärt zum einen ihre Popularität, zum anderen ihre Undefinierbarkeit – sie ist ja nicht, sie hat kein eigentliches Wesen, ist weder Sprache noch Ton noch Bild, ist nicht Farbe, ist nicht Bewegung; sie ist nur eine Metapher, also ein Verhältnis, der Drang eben zur Freiheit, welches wir in zahlreichen Tätigkeiten wiederentdecken, vom Fotografieren über das Zeichnen bis hin zum Schreiben von Büchern.

    Mir scheint, gerade dieses Metaphernhafte der Kunst mache auch ihre Unverwüstlichkeit aus, ebenso wie ihre Beziehung zur Freiheit ihr Pathos bedingt, verantwortlich dafür ist, dass man nüchtern und besonnen über die Kunst kaum zu reden vermag. Denn ebenso, wie es die Kunst nur als Abweichung von der Norm – d. h. vom Gelungenen, das genau wegen seiner Vorhersehbarkeit (i. e. Gelungenheit) im künstlerischen Verstande ungelungen ist – gibt, gibt es auch die Freiheit nur als Abweichung, als kürzeres oder längeres, auf jeden Fall aber befristetes Ausscheren nämlich aus den Zwangsverhältnissen, welche uns ansonsten von früh bis spät fest im Griff haben.

  31. Veröffentlicht 17.04.2009 in 00:03 | Permalink

    @blohogozentriker

    Viel, sehr viel Zustimmung.

    Von einem anderen Eck aus: Freiheit ist ungleich Zufälligkeit und Vorbestimmtheit, d.h. Freiheit ist an ein Substrat – hier die Regeln – aber auch an Freiraum – hier die Möglichkeit im schöpferischen Akt etwas Neues zu gestalten – gebunden. Kunst ist der Versuch etwas Unbestimmtes zu bestimmen, und zu deuten: Kunst ist (auch) Sinngebung, versuchte zumindest. Auch deshalb erfreut sie sich der Beliebtheit.

  32. Veröffentlicht 17.04.2009 in 00:36 | Permalink

    @Veronika

    Ich habe Feyerabend bislang nicht im Original gelesen – das was ich aus zweiter Hand kenne entlockt mir keine Begeisterungsstürme. Aber egal. Das Problem der Postmoderne ist, dass Stil-, Metaphysik-, oder Regellosigkeit sofort wieder Stil, Metaphysik, oder Regel bedeutet: Das Ende der Eindeutigkeit festzustellen, heißt wiederum eindeutig zu sein.

    Es mag sein, dass es heute nur mehr wenig allgemein gültige Regeln gibt; nichtsdestotrotz braucht der Künstler Regeln, und deren Überschreitung und im schlimmsten Fall passiert das was mein Vorredner in anderem Kontext feststellte, dem Betrachter heute öfter: Wir begreifen die Regelsysteme [...] nicht [...], und damit können wir auch die künstlerische Qualität eines solchen Bildnisses nicht mehr spontan bestimmen. Vielleicht muss sich der Betrachter nur mehr spezialisieren, und beschränken als in anderen Zeiten (Eine Regel ist z.B. das Versmaß eines Gedichts, und ein Verstoß dagegen kann für eine bestimmten und gewollten Ausdruck notwendig und richtig sein; der ist dann frei gewählt, und neu, und verstößt, oder erschreckt den Leser möglicher Weise. Und wenn ich Dich recht verstanden habe, dann passt das zu dem was Du zu Angemessenheit, Regel und Qualität geschrieben hast.).

    Wiederum: Viel, sehr viel Zustimmung!

    PS: Haben wir je gewusst was Bilder mit uns anstellen? Und falls ja, wann?

  33. Veronika
    Veröffentlicht 22.04.2009 in 22:36 | Permalink

    @ blohogozentriker
    Es stimmt dass uns die Bewertungssysteme des Mittelalters nicht mehr geläufig sind nur der Unterschied zu heute ist der, dass es zu diesen Zeiten klare Bewertungssysteme also eigentlich so etwas wie eine institutionalisierte Zensur gab und wir in dem Sinn keine solchen Regelsysteme mehr haben (wem immer sei Dank!).
    Ein mittelalterliches Bild hatte ganz exakt festgelegte Regeln wie dieses zu bewerten ist die aus dem Kunsthandwerk und den moralischen Ansichten der Gesellschaft enstanden sind. Wie es denn zu machen sei in welchem Verhältnis und mit welchem Gestus Christus (z.B.) denn im Bild zu sitzen hatte, welche Motivik (deren Bedeutungen ebenfalls ganz genau festgelegt waren), welche Farbe für welche Bedeutung, welche Blume für welche Bedeutung, an dem entlang man sich zur eindeutigen Aussage hanteln konnte um auch dem Analphabeten die Moral, Erbschuld etc. zugänglich zu machen – wobei natürlich auch Regelbrüche begangen wurden und man seine Kritik ganz versteckt und nur für die, die darum wussten in diesem Regelsystem einließ. Ja so manches Wissen geht verloren
    Das Regelsystem mit dem die Kunst heute arbeitet ist kein Regelsystem mehr wie man es früher verstanden hatte, eines, dass sich ausschließlich auf Kunst und ihre Materialität, Darstellungsform oder Technik bezieht.. sie dient auch nicht mehr dem Ersatz von Schrift und hat ihre Bedeutung im Erzählerischen in dieser Hinsicht verloren ebenso wie den Anspruch auf Abbildung der Wirklichkeit nach dem Aufkommen der Photographie.. mit dem Verlust dieses letzten Metiers (oder anders – Zwecks) kams zu einer Neuausrichtung und Sinnkrise
    Woraufhin die wohl erste Reaktion und vielleicht auch etwas verzweifelte, nach dem Aufkommen der Photographie, die L’art pour L’art war und in Folge das „Anything goes“.

    Ein Regelsystem, dass aus der Kunst, also ihrem Handwerk und Zwecks erwuchs gibt es in dem Sinne heute wohl nicht mehr – viel eher nehme ich an, dass das Regelsystem von außen in die Kunst übersetzt wird und nicht aus der Kunst bzw. dem Handwerk entsteht, dass der Künstler den Kontext herstellen muss zwischen dem Werk und dem „Außen“ sodass eben diese eindeutige Richtung nicht mehr entsteht – Kunst wird zur Metapher, zum Transmitter eines Inhalts bzw. Regelsystems und/oder Bruch desselben.
    Da diese Regelsysteme völlig verschiedenen Ursprungs und nicht mehr kunstspezifisch sind machts ja dann, so denke ich, auch so schwierig Arbeiten einzuordnen bzw. zu bewerten.. sie hängen eben stark vom Blickwinkel des Künstlers ab.. wie weitsichtig oder „obejektiv“ er arbeitet, wie viel Verbreitung sein angesprochenes Regelsystem hat oder ob sich der Künstler in eine Orchideenecke zurückzieht, dann welchen Horizont der Betrachter hat der unter Umständen zu dem Reglement keinen Bezug hat oder aufzubauen vermag auf das der Künstler ansprechen will und daher sich die Arbeit nicht erschließen kann.

    Um auf die Freiheit zu sprechen zu kommen – ist denn die Freiheit (die in der Regel verstanden wird als die Möglichkeit, ohne Zwang zwischen verschieden Alternativen zu wählen und entscheiden zu können und eigentlich nur einen allgemeinen Zustand der Autonomie eines handelnden Subjekts benennt immer die Abweichung von der Norm?
    Kunst muß nicht immer etwas völlig „Neues“ erschaffen.. sie kann auch ganz einfach auf eine Norm(alität) die man als solche vielleicht nicht bewusst registriert Bezug nehmen – ist man bereits bei der Abweichung wenn man anfängt die Norm „nur“ zu hinterfragen? Und ist jede Norm denn das „nicht Gelungene“ im Verständnis der Kunst? Draf man denn als Künstler nicht zustimmen? Naja sicherlich finden Normen denen der Künstler zustimmt selten Eingang in seine Arbeit . Das ist zwar ein guter Ansatz den ich ja auch gut finde – also die Normen zu dehnen und teils auch abzuschaffen aber ich denke man kann das so nicht allgemein gültig fest machen und gehe da mit Dir, metepsilonema, konform.

    @metepsilonema

    Was Feyerabend und anything goes betrifft – gebe zu seine Werke auch nicht gelesen zu haben und ich befürworte seine Theorien eher das was ich darüber weiß ebenfalls nur teilweise.. zu anything goes kam ich eigentlich über die Medientheorie als Filme von Jean Luc Godard besprochen wurden und der im seinem großartigen Film „Le Mepris“ die Regeln der traditionellen Konventionen des damaligen Hollywood-Films kritisiert indem er ganz deutlich die Grundregel, dass Film eine Illusion der Wirklichkeit sein sollte und den Betrachter in dieser Illusion unbedingt belassen werden soll, bricht, indem er ganz deutlich fortlaufend und geschickt auf das Material das Gemachte und Inszenierte verweist und damit den Betrachter massiv verstört – ihn so auf eine nicht bewußt wahrgenommene Norm aufmerksam macht.
    Grade Film ist etwas das heute noch nach den damaligen Schemen funktioniert.. Es gibt im Film so etwas wie einen konstruierten Wahrnehmungskonsens und Wahrnehmungscode ihm kommt schier ohne Frage und mit nur ganz wenigen Ausnahmen der Zweck des Narrativs zu.
    Ich finde den Ansatz Feyerabends insofern gut, dass er dazu aufruft Regeln zu brechen um zu Neuem zu finden – Möglichkeiten über das Regelement hinaus auszuloten – also der Aufruf zum Versuch außerhalb der Regeln zu denken, sowie er auch die Willkürlichkeiten in vielen Methodologien anspricht – den anarchischen Ansatz Regeln und Methodologie vollkommen zu missachten befürworte ich hingegen nicht – ich bin immer noch der Auffassung der Arbeitsweise eines Anderen auf jeden Fall einen gewissen Respekt zu zollen – auch wenn ich nicht unbedingt der selben Meinung bin. Einfach mal die Idee einer Anarchie zu denken kann durchaus fruchtbar sein.. weil ich mir, so mein ich – erst dadurch die Möglichkeit eröffnen kann etwas grundlegend strukturell zu ändern – ein Beispiel wenn auch nicht innerhalb der Kunst: die Probleme des Budgets in der österreichischen Bildungspolitik – und ich beziehe mich jetzt konkret auf den Beamtenapparat der Bildung in Österreich verwaltet, könnte am ehesten noch mit einer kompletten strukturellen Änderung gelöst werden und nicht mit dem ausweiten von Regeln – nur kann ich so eine neue Struktur nicht innerhalb der Regeln denken – freilich nur Theorie und vermutlich völlig utopisch – aber es macht doch einen Unterschied es gedacht zu haben oder nicht.

    Was den Stil der Postmoderne betrifft – ja da hast Du absolut recht Uneindeutigkeit ist auch wiederum eindeutig – nur ist diese Eindeutigkeit eben mittlerweile eindeutig wandelbar und damit eindeutig uneindeutig. Huhn oder Ei..?  ich weiß auch nicht so ganz.

    „PS: Haben wir je gewusst was Bilder mit uns anstellen? Und falls ja, wann?“

    Nun ja.. doch ich denke schon, dass man in bestimmten Kontexten weiß und gewusst hat was Bilder mit uns anstellen bis zu einem gewissen Grad – ohne hier jetzt böse Verschwörungen schüren zu wollen – aber hätten denn sonst die ikonographischen Erzählungen des Mittelalters jemals so gut funktioniert? Würde „Werbung“ sonst „wirken“ ;) wenn nicht irgendwer darum wüsste? Ob wir uns dessen selbst dann immer so bewusst ist – hmm… ja und nein – ich denke solang wir selbst zulassen uns beim Beobachten zu beobachten… vielleicht…

  34. Veröffentlicht 03.05.2009 in 23:29 | Permalink

    @Veronika

    Eindeutigkeit und Wandel sind kein Widerspruch (sonst hätte die Postmoderne die Evolutionstheorie längst für sich entdeckt).

    Meine Nachfrage (PS) habe ich gestellt weil Du schriebst, dass wir das verlernt hätten – ich dachte du meintest, dass man es zu früheren Zeiten wusste. Ich hätte gesagt: Wenn dann wissen wir es gerade heute. Ich glaube aber nicht, dass sich jemand Wirkungen immer entziehen kann, wenn er (theoretisch) um sie weiß.

    Und wer das österreichische Bildungssystem im status quo verharren lässt, war in den letzten Wochen nicht unschwer zu erkennen.

  35. Veröffentlicht 03.05.2009 in 23:45 | Permalink

    Nachgetragen: Fremdheit in der Kunst der Moderne und der Postmoderne (habe mal ein Buch dazu gelesen) sind mit Sicherheit etwas, das sie – Ausnahmen außen vor gelassen – von der Kunst anderer Zeitalter scheidet.

    -

    Ein klassisches Gedicht kann man auch heute noch verfassen, genauso wie ein impressionistisches Gemälde, und es ist wohl Kunst, allerdings nicht mehr – schlechtes Wort – zeitgemäß. Obwohl: Wir leben in der Postmoderne.

    • Veröffentlicht 03.05.2009 in 23:51 | Permalink

      Und damit wären wir wieder bei „anything goes“, hm?

      • Veröffentlicht 04.05.2009 in 00:02 | Permalink

        … natürlich unter der Einschränkung, dass es heutzutage noch „lesbar“ ist. Obwohl ich gerade bzgl. der Lesbarkeit von Kunst beobachte, dass sie kein Kriterium mehr zu sein scheint: Man hat schließlich ein kleines weißes Fitzelchen Papier daneben hängen, das mit Titel – oder eben „ohne Titel“ im Kurzform darüber „aufklärt“, was der Künstler intendiert. Das ist weniger ein „anything goes“, sondern eine Fetischisierung der Undurchsichtigkeit: So lange man in der Lage ist, sich möglichst unverständlich interessant zu machen, muss man ja etwas Intelligent zu sagen haben – schließlich wird man von niemandem verstanden.

  36. Veröffentlicht 04.05.2009 in 01:04 | Permalink

    Je länger und verquerter der Beipackzettel, desto ungenießbarer die Medizin. Was ich sagen will: Man hat meist selbst ein recht gutes Gespür dafür wann man etwas von einem Kunstwerk verstanden hat (was sinnvolle Beipackzettel nicht ausschließt).

  37. Veronika
    Veröffentlicht 04.05.2009 in 01:13 | Permalink

    @metepsilonema
    .. ja stimmt.. Eindeutigkeit und Wandel sind so gesehen kein Widerspruch..
    eindeutig nicht linear.. wäre die konkrete Formulierung dann.. eindeutig gestreut nicht punktuell.. Postmodern aber: sowohl als auch.. es ist eindeutig und ist es wiederum nicht.
    Aber ist die Kunst wirklich noch in der Postmoderne.. ? Nicht schon post-postmodern.. – es zeichnen sich wieder ziemlich starke Strömungen ab.. siehe die zeitgenössischen Photoausstellungen (meist in schwarz weiß) bei denen man die eine von der Anderen kaum zu unterscheiden vermag.. die Strömung in der Malerei hin zum Photorealismus.. so ganz postmodern ist das alles nicht mehr… Vielschichtigkeit weicht wieder der Banalität Einfältig- und Einspurigkeit.. und die Themen wiederholen sich – gut der Wiederholung kann man sich – auch und grade als Künstler – nicht vollständig entziehen.
    „Meine Nachfrage (PS) habe ich gestellt weil Du schriebst, dass wir das verlernt hätten – ich dachte du meintest, dass man es zu früheren Zeiten wusste. Ich hätte gesagt: Wenn dann wissen wir es gerade heute.“
    Hmm.. wenn ich mir Deinen Absatz durchlese so muss ich versuchen zu konkretisieren was ich meine Verlernt wohl insofern, weil uns die gesellschaftlichen Prägung eines Zeitgenössischen Betrachters von Breughel (wie immer man diese Breughels dann nochmal schreibt..) nicht geläufig ist ebenso wie das Regelwerk der Malerei zu der Zeit.. so gesehen bin ich mir nicht so sicher ob wir heute wirklich mehr wissen als damals.. was ich aber weiß dass ich wenn ich vor dem Breughel steh nicht alles sehen kann was da abgebildet ist im Gegensatz zum Zeitgenossen der die „Codes“ kennt umgekehrt aber ebenso.. ich rezipiere aus meiner Position aus meiner Gesellschaft den Bonus den die heutige Gesellschaft dann aber doch hat ist die Psychologie, ihre Theorien über Kunst und Kultur und das wir diese Dinge anders hinterfragen, ein reges Interesse besteht was die Bilder tun.. nur die Bedeutungen des Betrachteten habe sich auch mitverschoben und dieses Interesse an der Wirkung gabs, wenn auch aus anderen Blickwinkeln und Motivationen heraus, damals wie heute – drum bin ich mir dessen nicht so sicher ob man das wirklich so ganz fest machen kann.
    Sagst Du aber:
    „Ich glaube aber nicht, dass sich jemand Wirkungen immer entziehen kann, wenn er (theoretisch) um sie weiß“
    So kann ich Dir nur voll und ganz zustimmen.

  38. Veröffentlicht 05.05.2009 in 00:15 | Permalink

    Ich habe wenig bis gar keinen Kontakt zu dem was in der Kunst gerade aktuell ist. Dazu kann ich nichts sagen. Die Postpostmoderne kenne ich gerade ihrer Bezeichnung nach (würde mich freuen, falls Du mir mit ein paar Sätzen auf die Sprünge helfen könntest).

    Wir müssen nicht wissen was Breughel damals meinte, wir können seine Kunst aus unserer Perspektive lesen (auch wenn es schade ob des Verlustes von Bedeutungen und zugleich interessant ist, etwas über das damalige Verständnis zu erfahren, aber es sind zwei verschiedene Dinge).

  39. Veröffentlicht 09.05.2009 in 20:12 | Permalink

    Die Diskussion ist schon sehr weit fortgeschritten, ich hake deswegen nicht ein, will aber eine Bemerkung zu deinem Ausgangsbeitrag machen (genauer @ „Das Ergebnis dieser Ästhetisierung des Alltäglichen ist kein ästhetischer Alltag, sondern ästhetische Kunst.“).

    Ich persönlich verwende den Begriff Kunst (auch) in Abgrenzung zum Alltag. Das kommt allerdings nicht einem „anything goes“ gleich, sondern ist vielmehr vollkommen konkret. Das Problem, das mitunter darin gesen wird, ist, dass man durch subjektivistische Begriffsbestimmung nicht auf generelle Begriffe kommen soll(te). Wir brauchen meines Erachtens keinen generellen Kunstbegriff und die Suche danach ist entweder frustrierend oder diskriminierend. Bei der Betrachtung dessen, was konventionell als „Kunst“ bezeichnet wird, hilft mE eine Abgrenzung zwischen Kunst, Handwerk und kreativen Potenzial. Ich habe für mich die Definition „semantische Selbstverteidigung“ für Kunst gefunden.

    • Veröffentlicht 09.05.2009 in 21:12 | Permalink

      Und unter semantischer Selbstverteidigung verstehst Du was genauer?

      • Veröffentlicht 10.05.2009 in 14:56 | Permalink

        Klick

      • Veröffentlicht 12.05.2009 in 00:11 | Permalink

        Dass heißt also? Dass Kunst im Kern, Reaktion auf Provokation, sprich: „reaktionär“ ist; Markierung eines Feldes, das ich nicht einnehmen lassen möchte?

      • Veröffentlicht 12.05.2009 in 20:01 | Permalink

        Grundsätzlich würde ich ja sagen, aber es hängt davon ab, wie bereit man ist, alle Normierungen auch als Provokationen aufzufassen. Es bedeutet vor allem, dass all das was Alltäglich erscheint keine Kunst sein kann, Kunst also das Außergewöhnliche, die Differenz darstellt. Außergewöhnlichkeit ist allerdings, und das wird finde ich oft vergessen, ein Derivat des Subjekts.

  40. goab
    Veröffentlicht 12.05.2009 in 20:36 | Permalink

    Gut.. Kunst als Derivat des Subjekts.. Aber warum soll das, das Alltägliche ausschließen? Warum kann eine Handlung die täglich dem Bewusstsein entgleitet denn nicht Kunst sein?
    Gut, ich bin vielleicht grade jemand der diese sehr einfachen und unverschlungen gedachten Dinge schätzt.. Dinge die ihrer Simplizität halber dieses „aha..“ auslösen und man unwillkürlich Lächeln muss, weil man grade wegen dieser Reduziertheit Klarheit und der scheinbaren Banalität einen Zusammenhang erkennt, man sich vielleicht ertappt.. und es einem, ob dieser Tatsache, Staunen abverlangt..

  41. Veröffentlicht 13.05.2009 in 00:18 | Permalink

    Vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Das „Aha“ bezieht sich bereits auf eine Differenz, auf etwas Außergewöhnliches. Ich wäre die Letzte, die sagen würde, dass man jeden Aha-Effekt Kunst nennen sollte, ich will nur sagen, dass man es meiner Meinung nach könnte und dass es immer noch mit der Trennung zum Alltag vereinbar wäre.
    Wenn ich von Kunst als Derivat eines Subjektes spreche, dann meine ich damit, dass Außergewöhnlichkeiten, Anstößlichkeiten und deren Bewertungen immer von Subjekten rezipiert werden. Das ist – wie ich finde – alles andere als selbstverständlich, da solche Ansätze öfters mal in „Alles ist Kunst“ münden, was ich entweder falsch oder schlecht, in jedem Fall aber substanzlos ausgedrückt finde (denn wenn alles Kunst ist, ist gleichzeitig nichts Kunst).
    Funktionaler wäre es – meiner Meinung nach – zu sagen „Alles kann Kunst sein“. Dadurch würden sich einige Debatten weg von dem leidigen, elitären und unproduktiven „Ist das Kunst?“ hin zu geistigen Austausch über die Substanz bewegen lassen, nämlich indem man fragt „Weswegen nennst du dies und jenes Kunst? bzw. der sozialen Variante: „Weswegen sollten wir dies und jenes Kunst nennen?“

  42. Veronika
    Veröffentlicht 13.05.2009 in 10:12 | Permalink

    Außergewöhnlich…
    wenn man eine Alltagshandlung hernimmt und sie „herausstellt“ also in ein anderes Medium transferiert – sie zum Beispiel abfilmt – dann ist diese Handlung noch lange nicht außergewöhnlich.. (kann sie zwar sein – je nach dem der sie sieht, je nach Sozialisation, ob dies eben dessen Alltag ist oder nicht) nur der Transfer in das Medium Film in Kombination mit der Handlung, auf die wir so hingewiesen werden – es ist also der Transfer der die Differenz darstellt und somit das Außergewöhnliche (das ist doch eigentlich worauf Du hinaus wolltest – verstehe ich das richtig?) nicht zwingend die Handlung – was dann ja eigentlich eben nicht ausschließt das Alltag und (scheinbar) Banales Kunst sein KANN – Ich vertrete ebenfalls nicht die Ansicht, dass alles oder jeder „Aha“-Effekt Kunst ist, wie ich oben schon geklärt habe in meinem Kommentar über Kriterien der zeitgenössischen Kunst anhand von Hanno Rauterberg (goab = Veronika – Ersters ist der WordPress-login). Aber im Idealfall bei guter Kunst eröffnet mir das aufgenommene einen neuen Denkraum eine andere Ansicht eine Art Bewusstwerden.., dass nicht jede Bewusstwerdung – also jeder „Aha“-Effekt Kunst ist, ist mir hierbei völlig klar.
    Ja, natürlich bestimmt der Einzelne was für ihn als außergewöhnlich empfunden wird.. aber dennoch bilden sich bei der Betrachtung mehrerer Konsense und Dissense – nicht, dass sich dessen jemand unterordnen müsste, aber diese Konsense und Dissense sind es die letztlich die Diskussion bestimmen ob etwas Kunst ist oder nicht – und eigentlich was ist die Frage ’ob etwas Kunst ist’ denn anderes als die Frage nach ihrer Substanz und nach dem ’Warum’ man es für Kunst hält? Denn ich kann die Frage „Ist das Kunst?“ nicht dogmatisch mit ja oder nein beantworten, folglich ist das doch der logische Diskurs der sich aus der Frage: „Ist das Kunst?“, ergibt besser ergeben sollte..

  43. Veröffentlicht 13.05.2009 in 17:39 | Permalink

    Um es erneut anders auszudrücken: Den Streit darum, ob etwas Kunst ist oder nicht, halte ich in jeglicher Hinsicht unsinnig. Genauso unsinnig wie die Frage ob etwas grün ist oder nicht grün. Ist-Aussagen machen meines Erachtens nur dann Sinn, wenn in der Generalisierung irgendein Nutzen liegt. Was für ein Nutzen soll das aber sein, einen konkreteren Kunstbegriff zu haben. Ich glaube vielmehr, dass konkretere Begriffe in der Vergangenheit dem was ich als Kunst bezeichne mehr als abträglich, teilweise zerstörerisch waren.
    Wer von „guter Kunst“ spricht, hat bereits den Rahmen um eine Bedeutungsmasse gelegt. Für das Subjekt funktioniert das prima. Als Generalisierung ist es in meinen Augen schlichtweg dysfunktional. Jemand, der sich nie in seinem Leben mit klassischer Musik auseinandergesetzt hat, der wird möglicherweise nur schwerlich die selben „Aha“Effekte erleben, die derjenige hat, der sich seit Jahren mit der Musik auseinandersetzt. Möglicherweise wird er sich auch einfach nur langweiligen. Klassische Musik hat aber meistens auch einen starken technisch-handwerklichen Aspekt, der viele Menschen dazu bewegt sie (allein deswegen) als Kunst anzusehen. Kunst, die einen stark kreativen und weniger handwerklichen Aspekt besitzt, wird dagegen oftmals mit ganz anderen Augen gesehen und bewertet, weil sie reproduzierbar erscheint, was (wie ich finde bedenklicherweise) einige Menschen dazu bringt, den jeweiligen Gegenständen ihren künstlerischen „Wert“ abzusprechen. Deswegen sprach ich weiter oben auch davon, dass ich es der Trennschärfe wegen für empfehlenswert halte Handwerk und Kreativität voneinander zu trennen, weil sich beide an vollkommen unterschiedlichen Normen orientieren (auch wenn sie ganz offensichtlich miteinander korrespondieren und sich teilweise gegenseitig beeinflussen, zuweilen sogar bedingen). Eine gute Violine zu bauen setzt nicht zwangsläufig Kreativität voraus. Wer einen Bauplan hat, der kann die Perfektion durch Fachkenntnis und technische Fertigkeit erlangen. Um jedoch einen Bauplan anzufertigen benötigt man neben Fachkenntnis auch innovatives Potenzial, Abstraktion, und die Fähigkeit zum kreativen Denken.

    Wenn ich einem Gitarrenschüler im ersten Jahr eine (meines Erachtens) gute Gitarre und eine billige Fließbandproduktion zum Vergleich gebe, wird dieser in den meisten Fällen nicht dazu in der Lage sein, die eine von der anderen zu unterscheiden, so (ähnlich) wie ich es tue. Bestimmte Klänge werden keine – um bei dem Begriff zu bleiben – „Aha“-Effekte auslösen, solange der Schüler sie selber spielt. Umgekehrt lassen sich junge Schülan teilweise mit den einfachsten Techniken begeistern, so dass sie diese den schwierigen gegenüber vollkommen überschätzen. Was an der Spieltechnik ist also nun Kunst? Vermutlich das, was der Schüler als Kunst bezeichnet – und das korrespondiert nicht wirklich mit dem, was ich als Kunst bezeichne.
    Gleiches geschieht in der Hörbildung: Eine (meines Erachtens) gute Musikproduktion wird der Mainstream nur in wenigen Fällen von einer (meines Erachtens) schlechten Produktion unterscheiden können. Der MP3 Tauschmarkt zeigt, dass es die Wenigsten interessiert, einen Song bei „lediglich“ 128kbps zu hören. Ein mühsam eingestelltes Schlagzeug und klanglich exakt miteinander korrespondierende Spuren wissen ebenfalls nur wenige als Kunst zu schätzen bzw. hören es erst gar nicht. Der Punkt ist: Das ist in meinen Augen vollkommen unbedeutend. Ich könnte behaupten, ich verstünde mehr von Musik, aber wozu? Es ist nicht so einfach meine Vorstellung von Kunst mit der anderen Vorstellung von Kunst zu synthetisieren, einen Konsens zu erarbeiten. Möglicherweise dauert das Jahre, für mich oder für jemand anderen. Man kann solche Konsense nicht einfach vorschreiben, man kann sie höchstens herreden.

    Du sagst, du würdest die Frage „Ist das Kunst?“ nicht dogmatisch mit ja oder nein beantworten können. Meine persönliche Erfahrung ist jedoch, dass ein Großteil der Menschen 1. der Meinung istdies zu können und 2. auch meint, dass es sich dabei um eine wichtige Aussage handelt, über gut oder schlecht zu urteilen. Solange jedoch keine Aussage über konkrete Funktionen gemacht wird, die etwas als „X“ qualifizieren oder disqualifizieren, verstehe ich allerdings nicht, was an der Antwort wichtig sein soll. Ebensowenig wie ich es (in einigen Fällen) nicht nachvollziehen kann, wie zwei Menschen vor einem Gegenstand stehen können und sich darüber streiten, ob es sich nun um ein Schild handelt oder eine Etikette.

  44. goab
    Veröffentlicht 13.05.2009 in 19:51 | Permalink

    :) schöner Kommentar – und ja ich versteh Deinen Ansatz und ich find ihn so dargestellt auch richtig – ich habe selbst das Problem mit meinen Allernächsten, dass sie Kunst über den handwerklichen Aspekt definieren, ABER und das ist das worauf ich eigentlich hinaus will:
    der Qualitätsbegriff von dem ich schreibe ist der ob dieses X wie Du es nennst es schafft über seinen Tellerrand zu weisen – sich eben aus der privatistsichen ausschließlich subjektiven Ebene heraus zu heben.. die Relevanz.. denn wenn die Kunst ausschließlich mit dem Künstler spricht – wo ist dann der Sinn dahinter dergleichen egozentrisch in die „Öffentlichkeit“ zu werfen? – Und gleichzeitig wer wiederum ist überhaupt in der Lage dies zu beurteilen?

  45. Veröffentlicht 14.05.2009 in 13:41 | Permalink

    Das klingt nach einer sehr synchronen Analyse, die mir etwas zu engstirnig ist und mir zugleich sehr pessimistisch erscheint. Es klingt nach dem Vorwurf, (selbsternannte) Künstlan würden Dinge produzieren, von denen sie behaupten, dass es sich um Kunst handelt, obwohl du (oder andere) darin keine Kunst sehen (können). Ich muss gestehen nie einen derartigen Künstla getroffen zu haben, aber ich will nicht bezweifeln dass es sie gibt, jene Egozentrikan, die scheinbar arroganterweise behaupten, sie würden Kunst produzieren, auch wenn es kein anderer so sieht.
    Auch hier will ich zunächst fragen: Was ist daran wirklich kritikwürdig? Weswegen sollte es uns interessieren, wenn Dinge von anderen Kunst genannt werden, obwohl wir dies anders sehen, solange es keinen Einfluss auf unser eigenes Handeln hat?

    Die synchrone Ebene sprach ich an, weil es in der Zeit oft (und wirklich sehr oft) vorgekommen ist, dass Menschen etwas produziert haben, das dann im Nachhinein als „seiner Zeit voraus“ bezeichnet wurde. Künstlan wurden oft nicht als solche rezipiert, manchmal sogar als wahnsinnige, und manchmal wurden sie wegen ihrer „Kunst“ gescholten, kritisiert und umgebracht. Was der Mehrwert ist und was nicht kann sich auch im Nachhinein nciht konstitutieren. Dass wir heute Van Gogh einen Künstler nennen ist weder ein Garant dafür, dass dies von allen Subjekten anerkannt wird, noch Garant dafür, dass er es von jetzt an auf ewig ist. Was Van Gogh bedeutet ergibt sich (erst) in einem sprachlichen Netzwerk und das wird 1. durch Diskurse beeinflusst und 2. vollkommen subjektiv (d.h. jedes Subjekt trägt ein eigenes Sprachsystem in sich, auch wenn dies in einiger Hinsicht den Sprachsystemen anderer ähnlich sein oder erscheinen mag).

    Abgesehen davon: Wer will schon wissen mit wem „die Kunst“ wirklich spricht? Den einen mag das Objekt begeistern, den anderen überraschen. Wiederum andere werden sich inspirieren lassen und dann wird es immer auch diejenigen geben, die einfach daran vorbeigehen werden, weil sie es nicht bemerken. Die sprachliche Kategorie „Kunst“ ist (wie jedes andere Wort) für genau zwei Zwecke da: Entweder um etwas damit auszudrücken oder aber um es hinsichtlich seiner Nutzung zu verstehen. Die Frage, was Kunst ist, kann für mich immer nur die Frage danach sein, was andere Menschen mit dem Wort „Kunst“ bezeichnen, nicht eine Frage nach den Eigenschaften von Kunst im aristotelischen Sinne.

    Ich muss allerdings auch einräumen, dass ich mich grundsätzlich nicht für Debatten um die Richtigkeit von Begriffen interessiere, sondern eigentlich nur für das, was mitgeteilt werden soll und welche Bedeutung dies für mich hat.

  46. Veröffentlicht 26.06.2009 in 15:40 | Permalink

    Interessehalber …: Ein Verweis auf einen Artikel, der mir beim Hin-, Her- und Wegräumen in die Hände gefallen ist: Thomas Assheuers „Kunst ist ein Neuronenfeuer“ aus der Zeit vom 15. Mai 2008.


Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail wird niemals veröffentlicht oder weitergegeben. Pflichtfelder sind mit einem * markiert
*
*